00:10
Herzlich willkommen zum SRF Krimi Podcast. Mein Name ist Wolfram Höll. Bei mir ist die Frau, die vor wenigen Tagen aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Macht natürlich als eine der ersten Sachen den Briefkasten auf. Voller Vorfreude auf ihr liebstes, gedrucktes, abonniertes Druckerzeugnis. Aber nein, trotz der Abwesenheit war es nicht dabei. Susanne Jansson.
00:35
Hallo Wolfram, du hast recht, ich gehe wirklich gerne zum Briefkasten, wenn ich mal länger nicht da war. Aber es wird dir heutzutage wenig geschickt und geschrieben, zumindest mir. Aber, dass mein liebstes Druckerzeugnis nicht im Briefkasten ist, liegt möglicherweise an dir. Weil wahrscheinlich hat der Postbote deinen Krimi-Podcast von letzter Woche allein gehört und schickt Posts jetzt eben nicht mehr an Susanne Jansson, sondern an Pierre Jansson. Ich möchte auch mich hiermit offiziell umtaufen für den Krimi-Podcast. Ich finde, der Name wird mir in einem Cabriolet wesentlich gerechter.
01:08
Ich hatte ein bisschen einen kathartischen Moment. Ich bin noch nie Cabriolet gefahren, aber dank deiner Einführung, die du offensichtlich in meiner Abwesenheit mit Geräuschen und Musik machst, damit es dann doch irgendwie hörspielig ist. Weil wenn es nur so monologisiert ist, könnte ja jemand sagen, es ist ein Hörbuch. Aber damit es noch klar ist, Hörspielpodcast, hast du mich ersetzt durch Grillen, aber mich immerhin dankenswerterweise in ein Cabriolet gesetzt und zum Pierre Chanson umbenannt. Und dahin geht jetzt meine Zeitung. Vermutlich. Du merkst, ich freue mich wieder da zu sein.
01:40
Ich freue mich auch sehr, dass du wieder da bist. Letzte Woche haben wir eine Reise gemacht nach Frankreich. Diese Woche geht es noch ein Jahrzehnt früher zurück, 1961 nach England. Und unsere Hauptfigur, die erlebte auch so viele kleine Stolpersteine im Alltag. Eben genau das Lieblingsmagazin, das nicht mehr kommt.
02:03
Stolpersteine mag harmlos klingen, es kann sich aber auch mehr dahinter verbergen, denn immerhin ist der Titel des Hörspiels Treibjagd.
02:11
Und es geht mehrmals um die Folter der Angst. Also ganz so harmlos scheint es ja nicht herzugehen im Alltagsgeschäft.
02:18
Das stimmt.
02:20
Ich finde, es wird wirklich sehr lebendig erzählt, sehr spritzig, möchte ich gerade so sagen. Wirklich brustige Brasche von 1961. Ich höre den Staub nicht. Gute 40 Minuten und die Geschichte geht vorwärts und es geht weiter und es wird immer spannender. Viel Vergnügen. Viel Spaß.
02:54
Kommt dick herein jetzt, der Nebel.
02:56
Umso besser für uns. Hier ist die Straße. Dort unten am Ende ist die Donauanbrücke. Du kannst sie also nicht verfehlen. Alles still, weit und breit. Ich glaube, das ist der richtige Augenblick.
03:08
Ja, ich gehe jetzt los. Dann also bis später. Und nochmals vielen Dank. Mach's gut.
03:16
Und viel Glück.
03:29
Polizei, hören Sie, wenn Sie Siemens O'Connor schnappen wollen, dann machen Sie, dass Sie zum Hafen kommen. In genau fünf Minuten wird Siemens O'Connor nämlich auf der Dona an Eisenbahnbrücke sein.
03:39
Wer spricht bitte?
03:53
Hier wären wir also, Matthius. Schalten Sie die Scheinwerfer ein.
03:57
Ja. Ja.
03:59
Dort läuft er. Sehen Sie, Sir. Aber unsere Leute sind schon dicht hinter ihm. Gleich werden sie ihn haben.
04:08
Ach, dieser Idiot. Er steigt auf die Brüstung der Brücke. Weil gerade ein Zug kommt, natürlich. Es bleibt ihm auch schon anderes übrig.
04:17
Da, da!
04:17
Er hält die Hände hoch!
04:21
Mein Gott, er hat den Halt verloren. Er ist von der Brüstung gestürzt. Direkt auf die Schienen, unter den Zug.
04:28
Armer Teufel.
04:29
Tja, das ist wohl das Ende von Seamus O'Connor.
04:33
Ich frage mich, wer den verpfiffen hat.
04:36
Ich auch, aber das werden wir wohl nie erfahren.
04:44
Ein Kriminalhörspiel von Cynthia Pugh, Malcolm A. Hulk und Eric Pace, Treibjagd.
04:56
Hallo, Milchmann.
04:57
Ja, Sir. Hey! Können Sie mir vielleicht sagen, wo hier ein gewisser Mr. James Coogan wohnt?
05:03
Coogan? Nein, tut mir leid, Sir. Sie müssen nämlich wisslich machen, sonst nicht diese Runde. Ich bin heute nur eingesprungen für den Kollegen, der gerade krank ist. Aber warten Sie einen Augenblick. Ich schau mal im Lieferbuch nach.
05:14
Da stehen nur die Hausnummern. Tut mir leid. Nicht zu machen, Sir. Nun, dann vielen Dank für Ihre Mühe. Gern geschehen. Aber versuchen Sie es doch mal in dem Schreibwarengeschäft dort drüben. Die kennen sicher jeden aus dieser Gegend.
05:25
Hüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüü
05:35
Und vier Schilling, sechs Pens zurück. Besten Dank, Mr. Phillips.
05:38
Ich danke auch. Oh, ich vergesse, eine Geburtstagskarte brauche ich noch.
05:43
Gleich dort drüben, Mr. Phillips.
05:44
Ah ja, danke.
05:45
Sie wünschen, Sir.
05:46
Verzeihen Sie, nur eine Frage. Ist Ihnen in der Horsen Avenue vielleicht ein gewisser Mr. Coogan bekannt? Mr. James Coogan?
05:54
Mr. Coogan? Oh ja, den kenne ich.
05:56
Er ist ein alter Freund von mir, den ich besuchen möchte, aber leider weiß ich seine Hausnummer nicht.
06:01
Einen Augenblick, Sir, das werden wir gleich haben. Mr. Kugan bezieht nämlich die Zeitschrift Neue Architektur von mir. Ja, hier. Hawthorne Avenue 15.
06:11
Architekt ist er jetzt? Ja. Jim Kugan? Ja, das stimmt. Der wohnt bei mir nebenan. Er arbeitet in einem Architektenbüro in der Stadt, bei Wackland & Wates. Meinen Sie den?
06:20
Tja, wahrscheinlich. Ganz sicher bin ich allerdings nicht. Es gibt so viele Kugans in London. Wie sieht er denn aus? Ich habe ihn nämlich seit fast fünf Jahren nicht mehr gesehen.
06:29
Nun, er ist so groß wie ich ungefähr. Irländer natürlich. War früher einmal in Liverpool. Ja, das muss er sein. Seltsam, dass Sie den gerade suchen. Erst vor ein paar Tagen habe ich ihm einen von unseren neuen Elektrorasierern zum Ausprobieren gebracht. Tolle Dinger mit Tandemschnitt. Wir leihen sie auf 14 Tage zur Probe aus. Falls auch Sie Interesse haben sollten, völlig unverbindlich natürlich.
06:48
Sehr freundlich, aber ich bin glücklicherweise schon versorgt. Trotzdem vielen Dank Ihnen beiden.
07:00
Jimmy! Ja? Das Frühstück ist fertig. Oh fein, ich komme.
07:07
Wie du wieder aussiehst, strahlend wie der Junge Morgen.
07:09
Ich bin nur glücklich.
07:10
Das freut mich.
07:12
Du, was hast du denn da?
07:13
Wo denn?
07:13
Da hinter deinem Rücken. Oh nee, Jimmy, du kitzerst mich. Du, das ist doch Post, das lange Couvert und du hast es schon aufgemacht. Na warte, du Strick.
07:19
Ich war so neugierig, ich konnte es einfach nicht länger aushalten.
07:22
Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie das Schlussexamen der Fakultät Bauwesen in allen Fächern bestanden haben. Geschafft!
07:30
Ah, Jimmy, ist das nicht wunderbar? Jetzt können wir wieder mal richtig leichtsinnig sein und Pläne schmieden und jeden Abend bummeln gehen, wenn wir wollen.
07:37
Und vor allem zunächst einmal frühstücken. Frühstücken?
07:40
Als ob das ein Tag wäre wie jeder andere.
07:42
Das ist es doch auch. Ach, ist es nicht? Doch, ist es.
07:44
Hier, dein Kaffee. Dankeschön, Liebling.
07:48
Ah, das tut gut, Herr. Du, eigentlich müsste ich dich übers Knie legen, meine Briefe zu öffnen. Habe ich dir denn jemals etwas vorenthalten?
07:56
Ja.
07:57
Was denn zum Beispiel?
07:58
Irland zum Beispiel.
08:00
Eines Tages nehme ich dich bestimmt einmal mit.
08:03
Das sagst du nun schon seit drei Jahren.
08:04
Ich nehme dich auch mit. Und zwar schon bald.
08:06
Hm.
08:09
Sag mal, sollen wir eine kleine Feier veranstalten heute Abend? Was meinst du?
08:12
Herrlich. Und wen laden wir ein?
08:14
Harry, würde ich sagen. Und Jane. Und vielleicht bringe ich den alten Wegland dazu, auf einen Sprung bei uns vorbeizukommen.
08:20
Wunderbar, Jimmy. Du, dann muss ich aber vorher unbedingt noch zum Coiffeur.
08:23
Einverstanden.
08:25
Oh, das ist der Milchmann.
08:26
Ich gehe schon.
08:26
Ein Liter, wie immer. Ja, ich weiß.
08:32
Ja, bitte. Ist Mr. James Cogan zu Hause? Ja.
08:38
Danke.
08:38
Sind Sie Mr. James Coogan persönlich?
08:43
Ja. Was kann ich für Sie tun?
08:45
Verzeihen Sie die Störung zu dieser frühen Stunde. Ich bin Inspektor Dodgedy von Scotland Yard. Politische Abteilung.
08:52
Was wünschen Sie von mir?
08:54
Sie waren doch früher einmal ein Freund von Simas O'Connor, Mr. Coogan.
08:59
Simas O'Connor? Das ist ein ziemlich weit verbreiteter irischer Name.
09:03
Aber dieser Simas O'Connor war ein ziemlich einmaliger Mann.
09:07
Wie lange leben Sie schon hier in London, Mr. Coogan?
09:09
Schon etwa seit fünf Jahren.
09:11
Und wo waren Sie vorher?
09:14
Nun, ich glaube, das wissen Sie.
09:15
Ja. Sie wohnten in Liverpool, Bridge Street. Vor Ihrer Heirat war das. Und ehe Sie sich entschlossen hatten, ein rechtschaffener Bürger zu werden.
09:26
Und weiter?
09:28
Ehe Sie nach Liverpool kamen, waren Sie in Südirland.
09:31
Dort wurden Sie auch geboren, und zwar in Nenna, in der Grafschaft di Pereri, im Jahre 1919. Einem sehr schicksalsschweren Jahr für Ihr Land. Nicht wahr, Mr. Coogan?
09:44
Ich interessiere mich nicht für irische Politik, Inspektor. Nicht mehr.
09:47
Ja, das wissen wir.
09:49
Was soll denn also dieses Verhör?
09:51
Kein Mensch kann seine Vergangenheit einfach abschütteln, Mr. Coogan.
09:56
Wenn Sie so viel über James Coogan wissen, dann wissen Sie doch wohl sicher auch, dass er während der letzten fünf Jahre keinen Kontakt mehr mit seiner Vergangenheit hatte. Nicht den geringsten.
10:05
Wenn aber seine Vergangenheit nun plötzlich noch einmal Ihre Hände nach ihm ausstrecken sollte...
10:10
Was meinen Sie damit?
10:11
Ist Ihnen nie der Gedanke gekommen, dass Ihre alten Freunde sich vielleicht mit Ihnen in Verbindung setzen wollen?
10:17
Aber warum?
10:18
Mr. Coogan, denken Sie ein paar Jahre zurück...
10:22
Simas O'Connor war damals aus dem Strangeways-Gefängnis ausgebrochen, wo er fünf Jahre abzusitzen hatte wegen Verschwörung gegen die englische Staatsgewalt und Missachtung des Gerichts.
10:33
Er kam bis Liverpool, wo ihn irgendjemand so lange versteckte, bis ein Schiff da war, um ihn nach Irland zurückzubringen.
10:40
Derselbe irgendjemand hat ihn dann auch denunziert. Den Rest der Geschichte dürften Sie kennen. Ja.
10:48
Wir haben von Anfang an gewusst, wer Sie sind, Mr. Cogan, seit Sie mit Ihrer Frau hier in dieses Haus gezogen sind. Wir wissen, dass Sie damals die englische Polizei unterstützt haben und wir wissen das auch zu schätzen. Aber andere Leute wissen ihre Handlungsweise vielleicht weniger zu schätzen.
11:06
Was wollen Sie damit sagen?
11:08
Vorgestern sind zwei Irländer, die uns beide namentlich bekannt sind, hierher nach London gekommen. Gestern Nachmittag waren sie im Rathaus und haben sich die Wählerliste zeigen lassen.
11:18
Wir glauben, dass diese beiden Männer auf der Suche nach Ihnen sind, Mr. Coogan.
11:23
Ich bin hier, um Ihnen Polizeischutz anzubieten.
11:25
Vielen Dank, Inspektor, aber ich wünsche keinen Polizeischutz. Und warum nicht, wenn ich fragen darf? Sie wissen, ich bin verheiratet. Sie wissen wahrscheinlich auch, dass ich gerade dabei bin, mich als Architekt hier niederzulassen. Weder meiner Frau noch meinen Kollegen ist meine Vergangenheit bekannt und Sie dürfen auch nie etwas davon erfahren.
11:41
Oh, Mr. Coogan, wir arbeiten sehr diskret. Tatsache ist, ich habe Sie schon die ganzen letzten zwölf Stunden beschatten lassen und ich habe das auch die nächsten 24 Stunden vor.
11:52
Heute ist der Tag, nicht wahr?
11:53
Ja. Heute ist es genau fünf Jahre her, dass Simas O'Connor auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kam. Um elf Uhr nachts, um genau zu sein.
12:03
Inspektor, wenn Sie sich plötzlich solche Sorgen machen wegen dieser beiden Männer, warum nehmen Sie die beiden dann nicht einfach fest?
12:11
Wir haben nichts gegen Sie vorzubringen. Ich kann mich daher nur um Ihren Schutz kümmern.
12:17
Aber was könnte man mir denn schon tun wollen?
12:20
Nein, vielen Dank, Inspektor, für Ihr freundliches Anerbieten, aber...
12:23
Vielleicht werfen Sie einmal einen Blick in diese Zeitung. Hier, Mr. Cullen. Danke.
12:27
In Memoriam. Simos O'Connor, Kämpfer für Irlands Freiheit, getötet in Liverpool, England am 21. Februar 1956. Er lebte und starb für Irland, nicht vergessen von seinen alten Freunden.
12:42
Na ja.
12:44
So etwas war wohl zu erwarten. Er wurde schließlich fast wie ein Gott da drüben verehrt.
12:48
Und heute haben wir den 21. Februar, nicht wahr? Mr. Cougan, meine Leute werden Ihnen heute Vormittag bis zu Ihrem Büro folgen. Sie werden in Ihrer Nähe bleiben und Sie nicht aus dem Auge lassen, bis die Gefahr vorüber ist. Und damit brauche ich Sie wohl nicht länger aufzuhalten.
13:03
Guten Morgen, Mr.
13:10
Oh Gott, schon zehn nach neun. Ich muss aber schnell ins Büro.
13:13
Betty? Ja?
13:14
Wiedersehen.
13:15
Jimmy, wer war's denn?
13:16
Oh, nichts von Bedeutung.
13:17
Ich muss saust. Du kommst aber nicht zu spät heute Abend.
13:20
Nein, nein, wie immer. Wiedersehen.
13:22
Wiedersehen, Jimmy. Bis heute Abend. Ja.
13:29
Das ist der da vorne. Zusammen mit zwei Burschen in Regenmänteln. Na ja, von mir aus. Ich muss mich beeilen, es ist sowieso schon zu spät.
13:40
Also, los jetzt. An die Arbeit. Okay, Chef? Wir sind schon dabei.
13:49
Siebzehn senkrecht. Weiße Harem-Sklavin. Oder Liske wahrscheinlich.
13:54
Oh, hallo Jane.
13:56
Morgen, hi. Ist Jimmy noch nicht da?
13:58
Nein, leider nicht.
13:59
Du liebe Zeit, was ist denn nur los mit ihm? Schon fast zehn. Er wird doch nicht krank sein.
14:02
Bekümmert das dein weiches Herzchen?
14:04
Nein, ich kann nur seine Schrift wieder einmal nicht lesen. Es handelt sich um diesen Neubar für die Kumbath-Gesellschaft. Ich habe ihm versprochen, diesen Entwurf bis heute Mittag abzuschreiben.
14:12
Dann lass doch mal sehen.
14:14
Der Satz da ist es, der dazwischen gequetschte.
14:17
Wobei die Vergebung sämtlicher Bauschreineraufträge und Dingsbums... Nein, das kann ich auch nicht entziffern. Da musst du schon warten, bis Jimmy kommt.
14:27
Das ist Mr. Wacklein. Auch das noch. Er will sicher diktieren.
14:31
Ach, da kommt Jimmy.
14:33
Morgen, Jane.
14:34
Hallo, Harry. Guten Abend, mein Lieber. Jane hat dich schon gesucht. Sie kann deine Handschrift wieder einmal nicht lesen. Ich werde mich gleich darum kümmern.
14:42
Ich glaube, das hier geht Sie an, Jing. Das Kumheith-Projekt. Danke, Mr. Wakeland.
14:48
Na, haben Sie schon etwas gehört? Gehört?
14:52
Ach so, ja, natürlich, ja. Ja, heute Morgen ist die Benachrichtigung gekommen. Ich bin durch. Bestanden? Na, ich gratuliere. Großartig, hab's ja immer gesagt.
15:01
Kein Problem für Sie.
15:03
Herzlichen Glückwunsch, Timmy. Danke. Wir feiern heute Abend ein bisschen. Hast du Lust zu kommen, Harry? Mit dem größten Vergnügen. Fein. Dann schauen wir erst mal die Post durch. Was ist denn das, persönlich? Und ohne Marke?
15:19
Simus O'Connor starb heute vor fünf Jahren um elf Uhr nachts. Jane?
15:24
Ja? Was gibt's, Jim?
15:26
Wo kommt dieser Brief her, Jane? Der hier, persönlich und ohne Marke?
15:30
Keine Ahnung. Er war im Briefkasten heute voll mit der anderen Post.
15:34
Eigenartig. Was ist denn los? Du siehst ja aus, als hättest du ein Gespenst gesehen. Ja. Vielleicht hab ich das auch.
15:50
Guten Morgen, Mrs. Kugel. Ihre Milch, ein Liter. Vielen Dank. Und ab morgen nur noch einen halben Liter, nicht wahr? Ich werde es mir gleich aufschreiben.
15:58
Nein, ein Liter. Wir brauchen doch immer einen Liter.
16:01
Aber Sie haben doch einen Zettel in diese leere Flasche gesteckt. Ich? Nein. Hier habe ich noch den Zettel. Hier, bitte. Überzeugen Sie sich selbst.
16:11
Hawthorne Avenue 15. Ab morgen brauchen wir nur noch einen halben Liter, Mrs. Kugel. Das verstehe ich nicht.
16:19
Das habe ich nicht geschrieben.
16:20
Dann vielleicht der Mann?
16:22
Nein. Und seine Schrift ist es auch nicht.
16:24
Aber ich heilig die Kinder mal wieder.
16:27
Die bringen mich doch zum Wahnsinn. Ja, dann also. Guten Morgen, Mrs. Coombe. So was komisches. Aber jetzt sollte ich endlich einkaufen gehen. Was brauche ich noch alles für heute Abend?
16:47
Ah, guten Morgen, Mrs. Coogan. Was darf's denn sein? Sie haben doch Papierservietten, nicht wahr? Ja, aber natürlich, Mrs. Coogan. Moment, die habe ich hier so, bitte. Wie viel möchten Sie denn? Och, ein Dutzend vielleicht.
17:00
Und noch ein paar Cocktailstäbchen. Geben Sie denn eine Party heute Abend? Nein, eigentlich nicht. Nur ein paar Freunde von meinem Mann kommen zu Besuch.
17:08
Dann also wohl ein kleines Abschiedsfest. Abschiedsfest? Mir tut es wirklich leid, dass Sie von hier weggehen. Ich war ganz überrascht, als Ihr Gatte heute früh anrief und seine Architekturzeitschrift abbestellte. Auch man gewöhnt sich so an die Kunden. Aber ich verstehe nicht, was Sie meinen. Ich habe selbst zwar nicht mit ihm gesprochen, sondern nur meine Kleine. Wie viel Uhr kam denn dieser Anruf? Tja, kurz vor neun.
17:30
Meine Kleine musste nämlich gleich darauf in die Schule. Dann kann es doch nicht mein Mann gewesen sein. Er ist nämlich erst kurz nach neun aus dem Haus gegangen. Ihre Kleine muss sich dann also wohl doch geirrt haben. Tja, vermutlich.
17:41
Aber sie sagte jedenfalls, sie hätte mit Mr. Kugen gesprochen. Und da nur ihr Gatte durch mich die neue Architektur bezieht, macht zwei Schilling ganz genau.
17:51
Hier.
17:52
Danke. Ich verstehe das einfach nicht. Ja, ob sich da vielleicht einer einen dummen Scherz erlaubt hat?
17:58
Ja, vielleicht. So wie mit der Milch heute Morgen. Wie meinen Sie bitte? Oh, nichts. Auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen, Mrs. Coogan. Ja?
18:10
Ein Anruf für Jimmy von Mrs. Coogan.
18:17
Danke, Jane.
18:18
Hallo, Jim. Deine Frau ist am Apparat. Aha.
18:22
Danke. Ja, Betty, was gibt's denn?
18:25
Jimmy, Mr. Phillips ist gerade hier wegen deines Rasierapparats. Du weißt schon, wegen des Elektrischen, den du zur Probe hast.
18:31
Ja, was will er denn?
18:32
Er sagt, du hättest ihn heute Morgen angerufen, um ihn gebeten, den Apparat wieder abzuholen. Stimmt das?
18:36
Ich? Ihn angerufen? Um wie viel Uhr denn?
18:38
Aber Jim, das musst du doch wissen, ob und wann du ihn angerufen hast.
18:42
Ja, natürlich, halb elf war's, glaube ich. Ich hab nicht auf die Uhr gesehen.
18:45
Dann hast du ihn also wirklich angerufen?
18:47
Ja, natürlich.
18:51
Nein, ich habe es mir anders überlegt.
18:53
Hast du dir es auch anders überlegt mit deiner Architekturzerschrift?
18:57
Was soll das heißen?
18:58
Im Laden haben sie mir vorhin gesagt, du hättest das Abonnement abgestellt, weil du London verlassen würdest.
19:04
Ja, das ist richtig. Ich muss vielleicht beruflich weg.
19:07
Ist deswegen heute früh auch dieser Mann bei dir gewesen?
19:10
Hör mal zu, Betty. Ich kann dir das alles jetzt nicht so genau erklären. Wir sprechen heute Abend darüber.
19:15
Gut. Also dann bis heute Abend. Sag mal, Jimmy.
19:20
Aber natürlich, Betty, ja. Also dann... Bis heute Abend. Schon eins vorbei. Gehst du mit zum Essen, Jim? In ein paar Minuten. Geht mal schon vor. Ich komme gleich nach.
19:31
Ja, okay. James, fertig? Ey, James, bist du fertig?
19:35
Scotland Yard. Bitte verbinden Sie mich mit der politischen Abteilung. Darf ich Ihren Namen wissen, Sir? Mein Name ist Coogan, James Coogan. Ich möchte Inspektor Doherty...
19:48
Ja, äh, C-double-O... Oh, ähm, ähm, ich möchte ins... Moment, bitte, ich... Da kommt gerade das andere Telefon. Einen Augenblick.
19:55
Ja, hallo, Wegland and Waits.
19:58
Ja, guck mal. Hier spricht Inspektor Duggety.
20:00
Ah, Inspektor, das ist sehr gut. Ich bin gerade dabei, Sie anzurufen. Ach, was für ein Zufall. Ja, Moment, bitte hören Sie. Mein Anruf ist nicht mehr nötig. Ich spreche mit dem Inspektor schon auf dem anderen Apparat. Er hat selbst angerufen hier. Die Sache ist erledigt. Danke vielmals.
20:15
Ja, äh, Inspektor, entschuldigen Sie bitte, ja?
20:17
Ja, ich wollte Sie nur fragen, ob alles in Ordnung ist, Mr. Coogan.
20:20
Bei mir, ja.
20:21
Und warum wollten Sie mich sprechen?
20:23
Ich bin etwas in Sorge um meine Frau, Inspektor. Bei mir zu Hause scheint sich nämlich einiges zu tun.
20:28
Na, was habe ich Ihnen gesagt? Aber darüber wollen wir uns lieber nicht am Telefon unterhalten. Können wir uns nicht irgendwo treffen?
20:35
Ja, um die Ecke ist ein kleines Restaurant, Whitehorse. Kennen Sie es?
20:38
Ja, natürlich. Ich bin in einer Viertelstunde dort.
20:40
Gut, bis dann.
20:51
Was darf sein, Sir?
20:52
Ein kleines dunkles. Und was haben Sie an belegten Broten?
20:55
Schinken, Sir, Rostbief, Geflügel, Käse, Ei und Tomaten.
21:00
Ja, dann bitte einmal Schinken und einmal Käse.
21:02
Kommt sofort, Sir.
21:04
Augenblick, Fraulein, ich erwarte noch jemanden. Oh, hello, Kogan. Auf die Minute. Was nehmen Sie?
21:10
Ja, ich nehme ein kleines helles und ein Käsebrötchen, bitte.
21:13
Jawohl, Sir.
21:15
Also, was ist passiert? Aber erst einmal, haben Sie Ihrer Frau überhaupt schon etwas gesagt?
21:20
Nein, noch nicht.
21:21
Ja, ich möchte mich zwar nicht in Ihre Privateingelegenheiten mischen, aber wäre es vielleicht nicht doch besser, Ihre Frau ins Vertrauen zu ziehen?
21:27
Schauen Sie, meine Frau kommt aus einem ganz anderen Milieu als ich. Das Leben, das ich geführt habe, ehe ich sie kennenlernte, ich fürchte, sie könnte das nie begreifen. Ja, ich weiß nicht. Ich selbst begreife nur eines nicht. Warum lassen die Burschen diese Sache fünf Jahre auf sich beruhen, um jetzt plötzlich nach Rache zu schreien? Welchen Sinn hat es denn schon, einen friedlichen Architekten umzulegen?
21:49
Versetzen Sie sich doch einmal in die Lage der anderen.
21:52
Sie haben Siemens O'Connor verraten, Mr. Coogan. Folglich sind Sie sein Mörder. Und folglich müssen Sie auch hingerichtet werden. Stellen Sie sich doch einmal vor, welchen Auftrieb es der Bewegung dieser Terroristen gibt, wenn demonstriert werden kann, dass sie die Macht hat, Sie sogar hier in London an einem vorbestimmten Tag und so vor bestimmter Stunde hinzurichten. Der Jahrestag von O'Connors Tod ist eine große Angelegenheit da drüben im Lager der Terroristen. Erzähle ich Ihnen damit vielleicht etwas Neues, Mr. Coogan?
22:19
Nein, nein, ich kenne diese Leute.
22:21
Aber wenn Sie schon vorhaben, mich umzubringen, ohne sich dabei erwischen zu lassen, warum dann all diese Warnungen, die man mir in den letzten Stunden freundlicherweise zuteil werden ließ?
22:31
Sie wissen doch sicher, wie man einen Fuchs jagt, Mr. Kuggen. Man bläst das Jagdhorn, macht Halali und schickt eine meute kläffende Hunde aus, damit der Fuchs Angst kriegt und um sein Leben läuft. Vielleicht versucht man das gleiche Spiel mit Ihnen, Mr. Kuggen. Vielleicht sollen Sie wissen, dass es Ihnen an den Kragen geht.
22:49
Vielleicht soll das Ganze eine Treibjagd sein. Ein Tag auf der folternden Angst?
22:54
Nun, noch ist nicht aller Tage Abend.
22:56
Na, es ist nicht der erste derartige Fall, mit dem ich es zu tun habe, Mr. Coogan. Unterschätzen Sie nicht die Beharrlichkeit von Männern, die aus Idealismus töten?
23:04
Nein, das tue ich nicht.
23:06
Selbstverständlich besteht aber kein Grund, um gleich schwarz zu sehen.
23:10
Sie brauchen diesen Tag nur zu verbringen wie sonst auch, dann wissen wir, wo Sie sind und können Sie im Auge behalten.
23:15
Wenn diese Männer aber Waffen tragen, Inspektor, warum können Sie sie da nicht einfach festnehmen lassen? Waffen zu tragen verstößt doch gegen das Gesetz.
23:22
Herr Mr. Coogan, die Männer, die hinter Ihnen her sind, werden wahrscheinlich nicht Ihre Henker sein. Dessen bin ich sogar schon ziemlich sicher. Woher wollen Sie das wissen? Nun, ich weiß, wie sich diese Dinge im Allgemeinen abspielen. Es ist immer das Gleiche.
23:37
Ihr Henker wird erst dann erscheinen, wenn die Meute sie bereits gestellt hat.
23:43
Sie sind ihm vielleicht schon begegnet. Am Ende ist es jemand, den Sie schon seit Jahren kennen. Und diesen Mann müssen wir in die Hände bekommen.
23:50
Offen gesagt, Inspektor, ich lasse mich nur ungern als lebenden Köder benutzen.
23:53
Tja, wir könnten Sie natürlich auch schützen, indem wir Sie einfach in Haft nehmen. Unter der Anklage vielleicht, dass Sie damals Simos O'Connor und andere versteckt haben. Nein, nein, nein, das wäre das Ende meiner Karriere. Ja, vielleicht nicht gerade das Ende.
24:05
Inspektor, wenn diesmal dieser Anschlag auf mein Leben misslingt und Sie bekommen Ihren Mann zu fassen, Ja, sollen wir dann im nächsten Jahr und im übernächsten und so weiter immer wieder dasselbe durchmachen?
24:15
Ich glaube, darüber sollten wir uns heute noch keine grauen Haare wachsen lassen. Wir haben sauren genug im Moment.
24:21
Entschuldigen Sie, meine Herren, es hat etwas lange gedauert.
24:27
Ach Gott.
24:27
Vier Schilling, acht Pents, wenn ich bitten darf.
24:30
Ja, wieder her. Das übernehme ich.
24:33
Danke vielmals.
24:35
Kommen Sie eigentlich jeden Tag hierher?
24:37
Meistens, ja. Ach, ähm.
24:40
Eines wollte ich Sie übrigens noch fragen, Inspektor Docherty. Wissen Sie eigentlich bereits, wer mein Henker sein soll?
24:47
Nein, noch nicht genau. Aber ich glaube, ich habe bereits eine Ahnung.
25:00
Ich bin wirklich froh, Betty, dass du bei uns mitmachen kannst.
25:02
Ich freue mich schon auf diese Kurprobe, Pater Magna. Übrigens, wir haben eine kleine Feier heute Abend. Jimmy hat sein Examen bestanden.
25:10
Tatsächlich? Na, das freut mich aber. Ja, ein tüchtiger Mann, dein Jimmy Kuchen.
25:15
Ja, ja, das stimmt.
25:17
Sag mal, Betty, wie lange seid ihr eigentlich jetzt schon verheiratet?
25:21
Och.
25:22
Drei Jahre, nicht wahr?
25:23
Ja, Pater Magna.
25:24
Ich finde, da wird es allmählich Zeit, eine richtige Familie zu gründen.
25:28
Gewiss, Pater Magna.
25:30
Betty, ich kenne dich nun schon seit deiner Kindheit. Gibt es da irgendetwas, das du mir sagen möchtest?
25:36
Ich weiß nicht recht, Pater Magner.
25:38
Also, wo drückt dich der Schuh? Ich merke schon die ganze Zeit, dass da irgendetwas nicht in Ordnung ist.
25:44
Pater Magner, Sie kommen doch auch aus Irland. Ja. In welche Konflikte konnte ein Mann dort früher geraten?
25:51
Mit dem Gesetz oder mit Gott?
25:53
Ich meine mit der Freiheitsbewegung.
25:55
Wer mit Gott seinen Frieden gemacht hat, hat nichts zu fürchten, mein Kind.
25:59
Aber wenn er nicht auch seinen Frieden mit den anderen gemacht hat?
26:01
Dann wäre das eine Angelegenheit für die Behörden, nicht für mich, Betty.
26:05
Wenn dadurch die Sache aber nur noch schlimmer würde.
26:08
Hast du mit Jimmy schon darüber gesprochen?
26:10
Jimmy spricht nie über sein früheres Leben. Und ich habe herausgefunden, dass es gut ist, ihn auch nicht danach zu fragen, wenn wir glücklich sein wollen miteinander.
26:19
Dann hör zu, Betty.
26:22
Diese Bewegung besteht aus einer Grube von Männern, die sich außerhalb des Gesetzes, des Irdischen und des Göttlichen gestellt haben. Männern, welche die Gewalt lieben und denen ein Menschenleben nichts bedeutet.
26:34
Aber ein Mann, der das alles hinter sich gelassen hat, könnte der noch einmal in diese Bewegung zurückwollen?
26:38
Das hängt vielleicht auch von dir ab, Betty. Ich glaube, wir drei sollten uns gelegentlich einmal darüber unterhalten.
26:44
Jimmy würde sich ja nie über diese Dinge sprechen.
26:47
Wenn er es aber doch einmal tun sollte, versprichst du mir, dass du es mich dann wissen lässt?
26:51
Aber natürlich, Pater Magna. Und vielen Dank.
26:55
Dann also, leb wohl, Betty.
26:57
Auf Wiedersehen, Pater Magna.
26:59
Nein, nein, bleib nur. Ich finde schon allein ihn aus.
27:04
Ripplewave 5101?
27:05
Ihr Fernamt. Wir müssen leider Ihren Anschluss wegen Reparaturen im Bezirk einige Zeit außer Betrieb setzen.
27:13
Und wie lange?
27:15
Nur ein paar Stunden. Morgen früh können Sie widersprechen. Ich nehme an, wir sind sogar gegen Mitternacht fertig.
27:22
Aber bitte, keine Ursache.
27:25
Hier Fernamt.
27:37
Hier, Rippleway 5101. Ich möchte Sie bitten, meinen Anschluss für einige Zeit zu unterbrechen. Rippleway 5101. Und zwar ab sofort bis Mitternacht.
27:51
Oh, schauen Sie, Fräulein, ich bitte doch nur um eine kurze Unterbrechung. Ich muss in einer dringenden Angelegenheit heute Nacht für ein paar Stunden aus dem Haus und muss meine Mutter so lange alleine zurücklassen. Da aber meine Mutter sehr krank ist, möchte ich nicht, dass sie durch Anrufe gestört wird. Können Sie da nicht mal eine Ausnahme machen?
28:07
Wie war Ihre Nummer, Sir?
28:08
Rippleway 5101.
28:10
Sind Sie bereit, für diese Unterbrechung eine Gebühr von 5 Schilling zu entrichten?
28:14
Aber natürlich, Fräulein, gerne.
28:15
Gut, dann unterbrechen wir Ihren Anschluss. Bis Mitternacht.
28:18
Dankeschön, Fräulein, Dankeschön.
28:25
Also dann bis heute Abend um acht, Jim.
28:27
Ja, danke. Und Sie, Jane, wissen Sie, wo Sie wohnen?
28:29
Ja, so ungefähr. Im Übrigen weiß Harry den Weg.
28:33
Ah, da kommt schon mein Bass. Komm, Jane.
28:35
Wiedersehen, Jim. Wiedersehen.
28:37
Bis heute Abend.
28:38
Bis heute Abend, ja.
28:39
Na nur, wo habe ich denn mein Feuerzeug? Darf ich Ihnen Feuer geben, Mr. Coogan? Oh. Danke. Wir fahren mit der Underground, nicht? Ist ja auch der kürzere Weg.
28:52
Tja, Sie beide sind doch wohl die gleichen Beamten, die heute schon morgens vor meiner Tür waren. Ja, ganz recht, Sir.
28:58
Werden Sie nicht mal abgelöst? Erst heute Abend um elf. Herzliches Beileid. Ach, wir sind dann Überstunden gefüllt.
29:10
So, da wären wir. Ich bedanke mich für Ihre Begleitung, meine Herren.
29:14
Gern geschehen, Sir. Übrigens, gehen Sie heute Abend noch aus? Nein, ich werde zu Hause bleiben.
29:20
Sie sagten etwas von einer kleinen Party.
29:22
Ja, ich habe ein paar Freunde eingeladen, aber keine Sorge, lauter gute Bekannte. Völlig harmlos. Sind Sie so sicher, Sir? Sie wollen sich doch nicht gleich zwei Mann hoch selbst einladen.
29:31
Angenehmer wäre es uns allerdings, wenn Sie uns auffordern würden.
29:35
Reichlich kühl, um hier draußen rumzustehen, wie? Ja, allerdings. Ja, ich werde wohl etwas erfinden müssen. Können Sie sich nicht als alte Freunde von mir ausgeben? Oh, wir geben uns immer als irgendetwas aus. Sagen Sie mal, Ihr Kollege macht wohl den Mund nie auf. Nein, der hört lieber zu. Na schön. Kommen Sie bitte rein.
30:03
Schönes Fräulein, darf ich's wagen?
30:06
Aber mein Herr, wie kommen Sie mir eigentlich vor?
30:11
Leider fang ich an, schon etwas alt zu werden für derartige Vergnügen.
30:14
Aber nein, Sie tanzen sehr gut, Mr. Weglin.
30:16
Sagen Sie, hat man Ihnen eigentlich schon einmal gesagt, dass... Oh, sorry. ...dass Jimmy ein geradezu unverschämtes Glück hat im Grunde?
30:25
Nein, aber das weiß ich doch. Bei solch einem netten Boss...
30:28
Vielen Dank, meine Liebe.
30:30
Verzeihen Sie, Mr. Wegland, aber ich glaube, ich muss einmal nachsehen, ob Jimmy sich auch als guter Gastgeber betätigt. Jimmy, deine Frau möchte gern einmal mit dir tanzen.
30:38
Oh, das freut mich.
30:40
Hör zu, Jimmy. Ich muss endlich mit dir reden. Du weichst mir schon den ganzen Abend über aus. Warum musst du London verlassen?
30:46
Wir sprechen nachher darüber, Betty. Keine Sorge, es ist alles in Ordnung.
30:51
Und dann, Jimmy, wer sind diese beiden Männer dort in der Ecke?
30:54
Ich habe es dir doch schon gesagt. Wir waren im gleichen Abendkurs.
30:57
Aber Jim, das ist doch nicht wahr.
30:59
Komm, tanzen wir lieber.
31:01
Hallo, verehrtester. Ich habe Ihnen einen Whisky mitgebracht. Oh, danke schön. Sie sind also auch vom Bau? Ja, sozusagen. Und woran arbeiten Sie? Oh, an verschiedenen Projekten. Wissen Sie eigentlich schon, dass Indigo Jones gestorben ist? Der die St. Paulskillitrane gebaut hat. Tatsächlich? Davon habe ich noch nichts gelesen heute in der Zeitung.
31:22
Hören Sie, wie komisch. Genau diese Antwort habe ich eigentlich von Ihnen erwartet. Der Bursche ist nämlich bereits vor 400 Jahren gestorben.
31:30
Was sagen Sie nun? Was soll man da sagen?
31:33
Jane! Jane, ja?
31:35
Jane, pass auf. Der Kerl daneben dem Grammophon ist ein Hochstapler. Der will Architekt sein. Aber ich fresse einen Besen, wenn der schon jemals ein Reißbrett gesehen hat. Wenn er sich wenigstens als Admiral ausgegeben hätte.
31:47
Komm, setz dich mal schön hierher.
31:50
Schrecklich leid, Mrs. Coogan, aber ich glaube, für mich wird es langsam Zeit, nach Hause zu gehen. Schon halb elf.
31:55
Das ist aber schade, Mr. Wegland.
31:57
Es ist wirklich reizend hier bei Ihnen. Und ich würde gerne auch noch bleiben, aber ich habe meiner Frau versprochen, um elf zu Hause zu sein.
32:03
Schade, dass Sie schon gehen wollen, Mr. Wegland.
32:05
Übrigens, kann ich bei Ihnen noch schnell telefonieren? Natürlich, bitte. Ich möchte nur meiner Frau Bescheid sagen, dass es nun doch etwas später werden wird.
32:10
Aber bitte, da drüben ist das Telefon. Danke sehr.
32:16
Hallo? Ist das? Das funktioniert anscheinend nicht. Gibt überhaupt kein Zeichen. Muss eine Störung sein. Ja, soll ich mal nachsehen? Nein. Lassen Sie nur. So spät dran bin ich schließlich auch wieder nicht. Gut. War ein netter Abend, Jim. Vielen Dank. Und schlafen Sie sich ruhig aus morgen früh.
32:32
Danke Ihnen, Mr. Wegler. Gute Nacht und wirklich vielen Dank für Ihren Besuch. Hat mir Spaß gemacht. Gute Nacht. Gute Nacht. Hallo?
32:40
Hallo? Hallo?
32:48
Tatsächlich. Es scheint gestört zu sein.
32:51
Seltsam. So? Finden Sie wirklich? Ach so. Jetzt verstehe ich. Sie haben doch keine Dummheiten vor, Mr. Kuggen. Wo ist meine Frau? Drehen Sie sich um? Ihre Frau spricht mit meinem Kollegen. Betty? Ja? Entschuldigung. Betty, ich musste gerne einen Augenblick sprechen.
33:09
Verzeihen Sie.
33:11
Aber ja, natürlich.
33:12
Betty?
33:12
Hör jetzt genau zu und tu, was ich dir sage. Frage jetzt vor allem nicht, sondern geh hinüber zu Mrs. Rhodes und bleibe dort, bis ich komme.
33:18
Aber Jim, warum denn?
33:19
Tu, als ob du zur Küche gingst und geh dann hinten hinaus.
33:21
Jimmy, was soll denn das alles? Frag jetzt nicht, geh. Aber Jim, was ist denn los?
33:24
Geh doch schon endlich.
33:26
Na schön, wie du willst.
33:27
Ja, also für uns wird es auch langsam Zeit, Betty.
33:30
Wir müssen nach Hause. Vielen Dank für den netten Abend.
33:33
Ja, Jim, es hat uns wirklich eine große Freude und Ehre. Nein, nein.
33:36
Schön, dass ihr Freude gehabt habt. Also...
33:38
Das war wirklich eine herrliche Party.
33:40
Ich bring euch raus.
33:41
Aber das ist doch nicht nötig. Ach, was soll denn das? Also auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen. Sie bleiben noch? Ja, noch ein paar Minuten.
33:48
Na ja. Mach schön auf, gell? Na ja, auf Sie. Auf gut nach Hause.
33:51
Wiedersehen.
33:56
Bitte, ich habe dir doch gesagt, dass du hinüber zu Mrs. Rhodes gehen sollst.
33:58
Die Hintertür ist versperrt, Jim. Jemand hat den Schlüssel abgezogen.
34:03
Diese beiden also, die gehören dann wohl zur Bewegung?
34:06
Ja, ganz richtig.
34:08
Und was wollen Sie von uns?
34:09
Wir haben nur mit Ihrem Mann ein Wörtchen zu reden, gnädige Frau. Nicht mit Ihnen. Wirf Sie raus, Jim. Daraus wird nichts werden. Denn unser Befehl ist hier, so lange zu warten, bis der Käpt'n kommt. Befehl? Käpt'n? Was soll denn das bedeuten?
34:23
Jimmy um Himmels Willen, so sag doch endlich etwas!
34:25
Ich fürchte, der Mann hat bereits zu viel gesagt, gnädige Frau. Bitte setzen Sie sich doch.
34:30
Ich hole Hilfe!
34:30
Nein!
34:31
Das glaube ich nicht.
34:32
Jimmy, er hat einen Revolver.
34:34
Erwarten Sie jemanden, Mr. Kugel? Nun, ich denke, Sie erwarten jemanden, nicht wahr? Gehen Sie, gnädige Frau, und machen Sie die Tür auf. Und wer es auch ist, bringen Sie ihn herein. Aber keine Mätzchen. Vergessen Sie bitte nicht, wir haben Ihren Mann hier. Schon, geh mit dir.
34:50
In Ordnung.
34:51
Herr Kampaten. Hallo, Betty. Darf ich herankommen? Ja, Sie dürfen herankommen. Warten.
35:00
Guten Abend, Jimmy. Ich komme anscheinend ungelegen. Sie haben Gäste, aber Ihr Anruf klang wirklich sehr dringend.
35:06
Aber ich habe Sie nicht angerufen, Pater Magler.
35:08
Aber meine Haushälterin sagte doch, dass Sie angerufen haben.
35:10
Wir haben Sie angerufen, Pater. Bitte nehmen Sie doch Platz.
35:14
Betty, du bist ja kreideweiß.
35:16
Was ist denn los? Dieser Mann muss sterben, Pater. Darum haben wir Sie auch geholt. Sterben? Sterben? Wer seid ihr eigentlich? Sehensgucken wird heute Nacht hingerichtet, Pater, weil er sein Vaterland verraten hat.
35:28
Wir verwehren jedoch keinem, den wir hinrichten, den priesterlichen Beistand.
35:32
Soll das heißen, dass ihr beide Jim töten wollt?
35:34
Nein, Pater. Der Mann, dem diese Ehre zuteil werden wird, ist noch nicht hier. Wir haben ihn nur vorzubereiten.
35:40
Aber das ist doch Mord.
35:41
Nicht Mord, Pater. Der Mann wird nur bestraft für seinen Verrat.
35:46
Aber ihr seid hier nicht in Irland.
35:48
Die Bewegung hat einen langen Arm, Pater.
35:50
Jimmy, kennen Sie diese Leute? Ich habe Sie heute zum ersten Mal gesehen. Sie sind mir schon den ganzen Tag über gefolgt, angeblich als Polizisten. Angeblich, um mich davor zu schützen. Mach auf, schon.
36:01
Ist das am Ende bereits der Mann, dem die Ehre zuteil werden wird, diesen Mord zu begehen?
36:05
Ja, Pater. Ist alles okay? Ja, komm und sei Dank. Ich komme. Guten Abend, Pater Magna. Sie, Dotscher-Tee. Ist er vorbereitet, Pater? Nein, denn ich will mit dieser Sache hier nichts zu tun haben. Wie Sie wollen, Pater.
36:22
Mrs. Cougan, was wir vorhaben, ist furchtbar für Sie. Und das bedauere ich. Hätten wir vor unserer Ankunft in London gewusst, dass James Cougan verheiratet ist, hätten wir diese Sache anders arrangiert. Aber jetzt ist es dazu leider zu spät.
36:34
Aber was hat mein Mann Ihnen denn getan?
36:36
Mir persönlich nichts. Aber seinem Land hat er großen Schaden zugefügt.
36:39
Das glaube ich nicht.
36:40
Hat er Ihnen nicht erzählt, wie er einem Patrioten in den Tod geschickt hat?
36:43
Nein, das hat er nicht.
36:45
James Cougan.
36:47
Von einem im Juni 1956 in der Republik Irland abgehaltenen Militärgericht sind Sie in Abwesenheit schuldig befunden worden, Siemens O'Connor an die englische Polizei verraten zu haben. Sie wurden damals laut Militärgesetz zum Tod durch Erschießen verurteilt. Da Sie zu jener Zeit nicht in Irland waren, musste der Vollzug der Strafe aufgeschoben werden. Jetzt bin ich hier, um das Urteil zu vollstrecken. Haben Sie noch irgendetwas gegen dieses Urteil vorzubringen?
37:13
Ich bin unschuldig.
37:14
Waren Sie ein bezahlter Spitzel der englischen Polizei?
37:18
O'Connors Tod war gut für die Bewegung. Wieder ein Märtyrer. Und nun soll auch ich sterben.
37:22
Simus O'Connor war ein großer Held, Kuggen. Sie sind nicht wert, seinen Namen auch nur auszusprechen. Ein rascher Tod ist zu gut für Sie, Kuggen. Nur darum haben wir Sie heute auf die folterte Angst gespannt. Aber der Tag geht zu Ende. O'Connor ist damals um elf Uhr gestorben. Auch Sie werden daher um elf Uhr sterben.
37:40
Jimmy.
37:41
Wenn Sie ohne Beichte vor Gott treten wollen, dann ist das Ihre Sache.
37:46
Ich bin bereit. Dann wollen wir die Sache hinter uns bringen.
37:48
Einen Augenblick. Ich möchte mit James Coogan und seiner Frau gerne allein sprechen.
37:52
Dazu hatten Sie vorhin Zeitpater.
37:54
Allein habe ich gesagt, Captain Docherty. Ich nehme keine Beichte in der Öffentlichkeit ab.
37:59
Gut. Sie sollen mit ihm allein sprechen. Aber nur einen Augenblick. Sean, du gehst nach hinten und bleibst da, bis ich dich rufe. Michael, nach vorne. Und bleib am Fenster stehen. Ich selbst werde draußen vor dieser Türe sein.
38:12
Oh, Jimmy.
38:13
Jimmy. Sie werden mich umbringen, Betty. Ich weiß, wie diese Leute denken und handeln.
38:18
Sie haben sich nicht viel geändert, Jim. Was? Sie wollen sterben, weil Sie Angst haben, sich dem Leben zu stellen. Sie sind ein Feigling.
38:25
Sie verstehen das alles nicht, Pater Magna.
38:27
Weil Sie mir etwas verheimlichen. Aber was wollen Sie denn noch wissen? Haben Sie diesen Mann verraten oder nicht?
38:32
Pater Magna, wenn Jimmy einen Verbrecher der Polizei übergeben hat, dann war das sicher seine Pflicht. Vielleicht war der Mann ein Mörder.
38:37
Nach allem, was ich von Simis O'Connor weiß, war dieser Mann kein Mörder, sondern ein politischer Führer, mein Kind.
38:43
Pater Magna, Sie verstehen das alles nicht.
38:45
Ich verstehe nur, dass Sie Ihr Leben retten müssen.
38:48
Michael?
38:49
Ja? John, kommt rein.
38:50
Okay.
38:55
Ihre Zeit ist um. Sean, du führst Mrs. Coogan in das andere Zimmer. Sie können mit ihr gehen, Pater.
39:01
Nein, ich bleibe hier.
39:02
Sean bringt sie hinaus.
39:03
Nein, ich bleibe bei meinem Mann.
39:05
Nun, wie Sie wünschen. Dann also Musik, Michael. Musik? Ja. Denn schließlich wollen wir nicht die stille englische Nachbarschaft durch einen Schuss stören. Und jetzt stellen Sie sich mit dem Gesicht zur Tür, Coogan. Nein, ich will meinem Henker ins Gesicht sehen. Jimmy! Weg von ihm! James Coogan...
39:24
Gott sei deiner Seele gnädig.
39:27
Sagen Sie es Ihnen, Jimmy, Sie müssen leben. Wenn du mich liebst, musst du dich retten.
39:31
Also gut. Sie wollten wissen, was damals an der Donenbrücke passiert ist, Dojati? Nun, ich werde es Ihnen sagen. Die Nachricht war gekommen, dass das Schiff nach Irland endlich im Hafen sei. Aber da jede Straße von Polizisten wimmelte, bestand wenig Aussicht, zum Hafen durchzukommen.
39:52
Als die beiden Männer in jener Nacht sich auf den Weg machten, wusste keiner, ob er am anderen Morgen noch am Leben sein würde. Sie trennten sich an der Strathclyde Street. Wie ausgemacht rief einer von ihnen dann die Polizei an, um sie abzulenken. Auf der Donenbrücke wartete dann die Polizei. Und schließlich kam auch der Mann, auf den sie warteten, und schwang sich auf die Brüstung wie geplant. Aber plötzlich bröckelte die Brüstung ab, der Mann verlor den Halt und stürzte auf die Eisenbahnschienen unter einem gerade die Brücke passierenden Zug.
40:22
Er war später nicht mehr zu identifizieren. Nur aus den Kleidern, den Papieren und dem Kruzifix war noch zu schließen, dass dieser Mann einmal Seamus O'Connor gewesen sein musste. Innerhalb einer Stunde war die Jagd abgeblasen und die Straßen zum Hafen frei. Aber der Mann, der James Coogans Kleider trug, nahm diese Straße nicht. Er sah die einmalige Chance seiner Vergangenheit, den Rücken zu kehren, Und wurde ein anderer Mensch. Was soll das heißen? Dass ich Seamus O'Connor bin.
40:54
Sie? Das glaube ich Ihnen nicht. Sie haben O'Connor nie gesehen, nicht wahr, Doherty?
40:58
Aber Michael, du hast doch einmal O'Connor gekannt.
40:59
Aber nur als Junge. Kommen Sie hier ins Licht, Kugeln. Wo erhielten Sie die Narbe da über dem Auge? In der Cork Street. Sechs Jahre war ich damals alt. Ein älterer Junge warf mir ein Stück Kohle ins Gesicht. Stimmt, Siemes. Der Junge war ich. Das heißt also, dass wir unsere Revolver wieder einstecken können, Captain. Denn dieser Mann hier ist wirklich Siemes O'Connor. Siemes O'Connor? Du siehst, Betty, du hast den Falschen geheiratet.
41:24
Soll etwa ganz Irland wissen, wie tief Siemes O'Connor gesunken ist? Dass er ein Verräter ist?
41:30
Er trägt einen großen Namen in Irland. Dass ich diesen Namen durch meine Tat heute Nacht reinhalten muss, wieder mich an. Aber wie die Dinge nun einmal liegen, habe ich keine andere Wahl.
41:39
Aber Käpt'n, wir haben nicht den Befehl.
41:41
Dieser Mann ist der Bewegung abtrünnig geworden.
41:44
Musik, Michael. Nein, Käpt'n, das mache ich nicht mit. Er muss sterben. Nein, Dodger C. Keine Dummheiten, Käpt'n. Nimm ihn in den Revolver, Michael. Ich halte ihn so lange fest. Sei er wahnsinnig geworden. Los, vorwärts, Dodger C. Schon. Vorwärts, vorwärts. Gott mit dir ist, Marker.
42:00
Und mit dir, mein Sohn.
42:04
Jimmy.
42:05
Jimmy.
42:08
Sind Sie fort, Pater Magna?
42:10
Ja, Sie gehen die Straße hinunter. In die Nacht hinein. Sie sind verschwunden.
42:16
Jimmy. Ich dachte schon, das wäre das Ende.
42:20
Nein, Betty. Das ist der Anfang. Der Anfang von einem neuen Leben.
42:37
In der neuen Sendereihe für unsere Krimi-Freunde brachten wir das Kriminalhörspiel Treibjagd von Cynthia Pugh, Malcolm A. Hulk und Eric Pace.
42:47
Die Personen und ihre Darsteller waren James Coogan, Wolfgang Schwarz, Betty, seine Frau, Rothraud Mundschenk, ein Polizeiinspektor, Rudi Wichel, Sergeant Matthews, Wolfgang Roziper, Docherty, Franz Johann Danz, ein Milchmann, Fredi Karsten, eine Verkäuferin, Eva Portmann, Mr. Phillips, Otto Hans Meinecke, Harry Titchener, Peter Knär, Jane, Esther Schwarz, Mr. Wegland, Franz Theler, Pater Magna, Werner Leonhard, zwei Männer, Hans Bernhard und Henry König, ein Revolutionär, Uli Eichenberger.
43:27
Ferner wirkten mit Nelly Rademacher, Beatrice Bode und Walter Oberhuber. Regie führte Felix Klee.
43:42
Wolfram, zur Abwechslung mal nicht mit einer kleinen Frage zum Reingleiten, sondern gleich mal mit dem Hammer. Was hältst du denn von so einem politischen Führer, der offensichtlich war, der sich dann aber entschließt, offensichtlich und auch sehr genießt, so ein kleinbürgerliches Leben in England zu führen? Ja.
44:09
Also ich finde das eigentlich sehr sympathisch, diese Figur. Aha, okay. Also für mich wirkte ja so, als hätte er seinen politischen Dienst getan für die irische Unabhängigkeit. Jetzt höre ich mich auch nicht ganz klar, also spreche ich mir da von der jetzigen Republik Irland, geht es noch um Nordirland, was auch immer. Vielleicht will man noch, ich glaube, es macht auch eine sehr vornehme Klammer drumherum.
44:36
was das genau für Leute waren. Aber gehen wir jetzt mal davon aus, dass er nur Gutes getan hat.
44:40
Ja, der Pfarrer hat ihn quasi freigesprochen.
44:44
Genau, gehen wir mal jetzt mal davon aus. Da finde ich das doch eigentlich sympathisch zu sagen, ich habe jetzt meinen Dienst getan, ich bin nicht unersetzbar.
44:52
Und jetzt führe ich halt ein anderes Leben. Und ich meine, selbst wenn jetzt England als munter Drücker da für diese Bewegung gegolten hat, sie unter Umbenommen ein normales bürgerliches Leben dort zu führen. Okay.
45:09
Ja. Jetzt mal so eine Sicht. Gut, ich fand, du hast mich ein bisschen gehabt mit dem Satz, er hat seine Schuldigkeit getan, wenn man das so sagen könnte. Er war lang genug dort, er hat was aufgebaut, er ist ja immer noch ein Idol, offensichtlich, er strahlt noch weiter, obwohl, dann darf er auch zusammen Kaffee trinken und Partys schmeißen jetzt. Also wäre ja was anderes. Mit meiner, in Anführungszeichen, kleinen Frau.
45:30
Genau, es wäre etwas anderes gewesen, wenn er jetzt gerufen hätte in aller Öffentlichkeit, ich gehe jetzt zum englischen Ministerium für Irlandfragen oder was auch immer und dann hätte man dann auch eher sagen, okay, das ist ein Verrat an Indian oder vielleicht wäre es auch gerade gut gewesen fürs Brückenbauen, aber ich finde das so, es ist jetzt ja sehr diskret.
45:50
Es benutzt halt für ein eigentlich dann wenig politisches Hörspiel einen heftigen politischen Konflikt jahrzehntelang. Und das macht vielleicht für mich manchmal dann so kleine Schwachstellen auf. Also er wirkt ja jetzt auch nicht wie ein... politisch engagierter Mensch, noch sehr gezeichnet von seiner Gefangenschaft, sondern relativ intakt und auch unsere, man will sie ja nicht Gangster nennen, sondern unsere Überzeugten der Bewegung, verfolgen ja auch eigentlich nur ein sehr einfaches Ziel.
46:25
Obwohl ich ganz schön finde, dass die am Schluss sich die Bewegung da selber in den Revolver fällt. Und beide haben irgendwie recht, beide Seiten. Ja, genau.
46:35
Es geht halt einfach darum, Bilder aufrechtzuerhalten.
46:39
Oder eben genau, eine Idee oder den Menschen. Der eine will ja wirklich den Jimmy schützen. Du hast gemeint, es ist ein spritziges Hörspiel.
46:49
Ja, ich kann es gerne ausführen. Ich finde den Anfang gut, gerade wo man so mittendrin ist.
46:56
Die schönste Mauerschau des Hörspiels.
46:58
Ja, genau. Jemand, wenn man sagt, da kannst du jetzt schnell weg und dann ist alles gut, dann merkt man gerade, es geht schief und bekommt noch das Telefonat zur Polizei. Man kann ja noch nicht alles einordnen und bekommt schon sehr spannende Elemente geliefert. Und dann gefällt mir auch, wie man so in den Alltag reingeht von unserem Simon oder wie heißt er richtig?
47:19
Also im Hörspiel heißt er Jimmy. James Krugen ist eigentlich für mich sein Name.
47:24
Genau, James. Gefällt mir gut, wie er mitten in seiner Karriere ist. Das Architekturbüro, wie über so viele alltägliche Sachen geredet wird, der Fotoapparat.
47:37
In der Reparatur, das Magazin, das nicht mehr abonniert ist. Und dann, ich finde diese Figuren alle so wahnsinnig farbig. Auch sein Chef, der dann auf eine sehr unangenehme Art seine Ehefrau antanzt.
47:51
Danke, dass du das sagst.
47:52
Ich hätte aber ein ziemliches Glück. Ich habe wirklich sehr viel Spaß gemacht.
47:57
Er hat gerade noch die Kurve gekriegt, dass er am Schluss seine Ehefrau anrufen will.
48:00
Ja, also wirklich unerträglich. Schlimm, aber eben auch sehr farbig. Wie eigentlich alle Figuren, auch wie der Arbeitskollege sagt, ich habe rausgefunden, da hinten ist gar kein richtiger Architekt, der könnte Admiral sein. Also ich finde, das ist alles eben farbig, spritzig, wird dann doch viel erzählt, viel so einblicken, Welten in 40 Minuten.
48:20
Und mir gefällt dann auch der Twist, auch wenn ich ihn habe, kommen sehen, sodass es mir Spaß gemacht hat, dass eben die vermeintlichen Polizisten die Übeltäter sind.
48:30
Ich finde das sehr schön eingeführt und schön aufgebaut. Wann die wieder auftauchen, dass sie sagen, ja laden Sie uns lieber ein und wäre doch besser, wenn wir bei Ihnen sind. Und wie erklärt wird, ja es geht darum, sie noch leiden zu lassen, diese Treibjagd zu machen, das finde ich wirklich...
48:44
Ja, der spielt sehr mit ihm, der Polizeiinspektor. Im Nachhinein, wenn man das alles entschlüsselt. Und das ist auch für das Hörspiel echt eine geschickt geschriebene Szene, wo James die Polizei anrufen will und der Inspektor aber genau in dem Moment, bevor er den Echten in der Leitung hat oder den nicht vorhandenen in der Leitung hat, dass quasi sein Henker ihn in genau dem Moment anruft. Wir haben auch erst im Nachhinein auf. Stimmt.
49:14
dass er die Obrigkeit ja gar nicht, die Behörde gar nicht kontaktieren konnte, sondern sie ihn und das ist ja eigentlich auch verdächtig.
49:21
Und ich finde so viele Details.
49:22
Ja, die Brötchen, wie sie belegt werden und was es so gibt.
49:25
Die Brötchen, herrlich, zwei Brötchen, wie viel es kostet.
49:28
Der Milchmann kommt noch.
49:30
Genau, die Telefonleitung, die Hintertür ist abgeschlossen, sie kann nicht mehr raus. Da macht man noch Musik an, damit man den Schuss nicht hört oder die Ermordung. Wirklich, wirklich gut. Der Pater, finde ich auch herrlich.
49:44
Dass man erstmal mit dem Pater spricht und er noch so sagt, jetzt wäre doch mal langsam Zeit für Kinder, nicht wahr? Sonst können wir mal zu drittem Gespräch führen. Ja, bitte, unterstützt mich bei der Familienplanung. Aber auch später, dass er dann dazukommt und er noch James sozusagen noch seine letzte Beichte ablegen soll.
50:01
Sie sagt einfach in der Szene mit dem Pater, sagt sie ungefähr zehnmal, ja, Pater Magna, ja, Pater Magna. Warum Pater Magna?
50:10
Ich kenne dich, so du ein kleines Kind bist. Genau, das habe ich mich auch gefragt, das sagt er ja. Ich meine, gut, sie ist jetzt irgendwas, wahrscheinlich Mitte 20, Anfang 30 und er kommt ja aber auch aus Irland.
50:22
Darf ich dazu immer noch was sagen? Das hat mich tatsächlich wirklich auch beschäftigt. Genau, wenn jetzt ein Pater wäre aus Irland, wäre zum Beispiel noch die Frage...
50:30
Religion, dann trotzdem ... Ich glaube, mit Pater ist das gesetzt, oder?
50:34
Katholisch, oder? Und ich habe mich eh noch gefragt, wenn es die Polizisten da ankämen, ich würde denken, kann man das Englisch noch genau sagen? Also wegen dem Akzent, die Sprache natürlich. Ja, ich weiß.
50:49
Absolut. Ja, das habe ich mich auch gefragt. Überhaupt die Namensaussprachen generell, der Schimes, der Simis und so, das ist schon sehr eingedeutscht. Sehr schön, als der Kollege sagt, da hinten kommt mein Bass. Ich muss auf meinen Bass.
51:01
Das hat mir auch sehr gefallen. Das hat mir das Bass auch neidert. Nein, aber wirklich auch dramaturgisch. Angenommen, die kommen hin und sagen, sie sind Polizisten, haben aber dann einen starken irischen Akzent. Würde er es ja sofort merken. Also müssen die ja eigentlich dann quasi den irischen Akzent sehr verborgen haben, damit die Szene funktioniert. Und er wiederum ja auch, weil er, also nee.
51:19
Von ihm ist ja bekannt, dass er ihre ist.
51:21
Genau, aber Sie sagen ja an der anderen Stelle, oh, wir haben uns schon als ganz vieles ausgegeben, also kann man Ihnen so ein bisschen vielleicht sogar Fähigkeiten unterstellen, auch wenn Sie dann ein bisschen tumpf wirken, aber dass Sie sprachlich so gewandt sind, dass Sie sich da kamuflieren können.
51:36
Ich finde wirklich diesen Dialog so toll. Dieser Architekt ist gestorben. Ah ja, das wusste, habe ich nicht gelesen. Das könnten sie auch nicht. Der ist seit 400 Jahren tot. Ach so, er antwortet eben doch so schön. Herrlich. Direkt ein Bild von ihm vor Augen, so ein Tanzerknacker.
51:56
Dieses Alltagsleben, was du jetzt geschwindet hast, diese Details, das stimmt. Ich finde es immer noch ein bisschen verwirrend. Hast du mal einen gekauft in einem Geschäft, wo man an der Theke quasi bestellt und sagt, da nehme ich noch von den Waschmitteln dort hinten?
52:06
Also von L'Oreal kenne ich das. Mein Name ist Los, ich kaufe hier einen.
52:11
Wenn ich meine Großmutter früher besucht habe, war das auch noch so, dass man im Lädchen an der Ecke bedient wurde von der Frau im Kittel. Und alle haben mitgehört, was du bestellst. Und das ist ja hier auch so. Ich meine, da geht sie hin und sagt, ich brauche Papierservietten und Partyspieße. Und sofort ist das Gespräch da. Ja, was machen Sie denn? Also du konntest ja nicht, stell dir mal vor, du brauchst was Intimes, was du kaufst. Das ist schwierig, oder? Ja.
52:33
Deswegen Alltagsleben schön, aber auch, dass der Rasierer so zum Ausleihen ist und dann kann man ihm wieder zurückgeben. Zwei Wochen lang ausprobieren. Ja, das hat noch so ein bisschen Nachkriegswehen, oder? Hat man das Gefühl, es ist noch nicht eine Überflussgesellschaft und so. Jeder schaut, wie kriegt er mit Arbeit was ran und man hat noch nicht so viel Geld, um sich den eigenen Rasierer zu holen. Genau. Aber, Wolfram, jetzt heißt es ja nun Treiberakt. Und das heißt, wir spannen Sie einen Tag lang auf die Folter der Angst.
53:04
Mhm.
53:06
Und du hast es am Anfang kleine Stolpersteine genannt, die so den Alltag umwerfen. Man erwartet doch eigentlich, gerade mit diesem Anfang, mit dieser irgendwie bekannten Szene auf der regennassen Brücke. Jemand rennt, die Arme werden hoch, erschossen, Spion. Es klingt ja alles so ein bisschen nach Valgier, gut. Irgendwie erwartet man doch hier so ein bisschen mehr psychologische...
53:31
Ja, dass jemand ein bisschen mehr zerfetzt wird, noch ein bisschen mehr getrieben wird, um den Verstand gebracht wird, oder? Hast du das nicht vermisst?
53:44
Vielleicht kommt das Gefühl, weil eben unser James trotzdem nicht so getrieben wirkt. Das ist wahrscheinlich der Punkt, oder? Ich finde, die Sachen, die passieren, also ganz viele Zeichen im Alltag. Wir beobachten dich. Wir wissen, wer du bist. Wir schlagen bald zu. Und er hat sogar noch die eigene Frau. Er muss nicht nur Angst um sich haben, sondern auch um sie. Der kann auch nicht wissen, was wirklich geschieht. Das finde ich eigentlich schon, wenn man es sich richtig zu Kopf richtig überlegt, schon sehr beängstigend und sehr bedrückend. Aber eben, er geht da doch sehr cool damit um.
54:16
Von Anfang bis Ende, ne? Ja, das stimmt. Es macht sich hauptsächlich an ihm fest, obwohl ich finde, auch diese Schlussszene wirkt, als wäre sie so ein bisschen mit Verfremdungseffekt gespielt. Da kommt halt jeder Satz, nein, tu es nicht. Und selbst der Tango, die kommen halt alle aufs Stichwort und wirken dadurch so geordnet und beherrscht. So ein bisschen einen zeigenden Gestus der ganzen Geschichte fand ich eben dann im Nachhinein auch vorher. Das ist eigentlich so eine Geschichte, wo man nachts noch wach liegen könnte und denkt, wie du sagst, das hat so Potenzial, oder? Es hat so die kleinen Kiekse, um zu sagen, das könnte einen um den Verstand bringen oder einen wirklich paranoid machen oder Sorge bereiten, wenn das und das passiert.
54:53
Was wäre denn jetzt noch schlimmer, als dass jemand meine Architekturzeitung abbestellt oder einen Zettel in die Milchflasche steckt? Es sind nicht wirklich Gangster. Oder was meinst du, nein, es sind keine harten Methoden, vergiss das Wort Gangster, die verwendet werden, um zu zeigen, man kann jemanden zusetzen.
55:10
Es sind Lausbubenstreicher.
55:13
Ja, aber er ahnt natürlich schon, wo sie herkommen.
55:17
Er denkt natürlich schon, dass jetzt nicht einfach der Nachbarsjunge das macht, sondern seine ehemaligen Kameraden.
55:24
Genau, aber eigentlich würde man jetzt denken von einem Drehbuchautor oder jemand, der sich da beschäftigt, der wird halt das Haustier getötet. Oder die Frau wird irgendwann mal entführt. Eben das, was ein bisschen härter ist. Aber vielleicht wusste er auch schon doch viel, viel früher als wir, mit wem er es da zu tun hat.
55:44
Aha, bei der Polizei auch.
55:46
I don't know.
55:49
Ich fand es insgesamt eigentlich noch erfrischend, dass er nicht so in Panik verfällt. Ich glaube, das wäre dann auch so der erste Impuls, wenn er so was schreiben oder inszenieren würde. Klar, die Hauptwirkung macht es völlig kirre und wird total zermürbt, bis sie am Schluss dann ausbricht. Und eigentlich fand ich das noch ganz gut, dass er da Herr der Lager ist, zumindest zu sein scheint. Vielleicht hat er sich ja schon vornherein den Schicksal ergeben, ich weiß es nicht. Ja.
56:15
Nee, ich glaube, man darf das gar nicht so tiefenpsychologisch da erwarten und irgendwelche kathartischen Momente auch für uns, sondern es hat wirklich alles so ein bisschen der vorgeführte, gezeigte Charakter einer Geschichte mit Ausgangspunkt dort. Nicht, dass man deswegen nicht mitgeht oder dass man da nicht Sachen lustig findet. Wir haben ja jetzt auch herzlich gelacht.
56:32
Ich bin sehr gut mitgegangen.
56:34
Und tatsächlich, ich finde das Ende, dass die beiden sich als Kinder schon kannten und dass das der Beweis ist, sowas finde ich immer wieder ganz schön. Und dass dann einer von den falschen Polizisten dem Oberinspektor noch in den Arm fällt und sagt, nein, du darfst die nicht erschießen, aber ich muss doch, auch wenn es meinen Namen befleckt, finde ich, tragen sie den Konflikt irgendwie geschickt aus der Wohnung raus. Oder?
56:57
Ja gut, statt Konflikte auszutragen, werden sie rausgetragen. Gefällt mir. Susanne, wir haben ja schon gesagt, jetzt hat man viel mit Ehren zu tun, mit Irland. Auch gar keine unkomplizierte Geschichte da. Die etappenweise Unabhängigkeit der Erischen Republik Nordirland war ja lange immer noch ein Thema, ein Stück weit bis heute. Ich würde gerne heute noch einen kleinen Podcast anhängen aus dem International. Irlands Verwandlung mit Insel zu sich selbst fand.
57:29
Da geht es eigentlich darum, genau wie immer dieses Bild von früher Irland, 19. Jahrhundert, Hungerkatastrophen, blutiger Bürgerkrieg. Und heute kennt man Irland ja immer so als grünes Paradies, oder? Läuft wirtschaftlich gut, die ganzen internationalen Konzerne sitzen da.
57:46
Ja, man geht als 19-Jährige dorthin und macht einen schönen Urlaub, Wanderurlaub.
57:52
Oder vielleicht hinauswandern, wie auch immer. Ja.
57:55
Es soll eine sehr freundliche Bevölkerung sein. Ein wirklich gutes Land zum Auswandern sein, hat mir ein Test letztens auch gesagt.
58:02
Möchtest du auswandern?
58:03
Naja, aber ich mache manchmal so Tests.
58:06
Ich mache manchmal auch sehr gerne so Tests, wirklich.
58:08
Da stand Irland auf jeden Fall weit oben.
58:11
Okay, sehr gut. Ja, und genau in dem Podcast geht es darum, was in Irland sich so in den letzten 40 Jahren getan hat, von einem eher sehr agrarischen Land, also sozusagen rückständig galt, zu jetzt dem grünen Tiger, sagt man glaube ich auch so, passend wie zu den Tigerstaaten in Südasien, in Ostasien und Südostasien, die wirtschaftlich stark sind. Genau, würde ich gerne kurz anhängen.
58:35
Sehr gut, mach das. Ich möchte noch einen kleinen Nachtrag machen zu den Computerblüten. Das Hörspiel, das wir vor ein paar Wochen hatten. Ihr erinnert euch, am Schluss wurde Geld versteckt in dem Sockel einer Höhensonne. Und ich habe ja da noch so rumgemutmaßt, wie das gehen könne, weil in meiner Welt, in meiner Ostkindheit, eine Höhensonne eben ein kleiner Apparat war. Aber Barbara hat mich erhellt, hat geschrieben, hat gesagt, sie kennt nämlich die Bezeichnung Höhensonne als andere Bezeichnung in den 1990er Jahren für eine Sonnenbank. die Menschen mit ausreichend Platz und Geld auch mal im Badezimmer oder Schlafzimmer stehen hatten, da man meinte, dass diese Form der UV-Bestrahlung gesund sei und die Vorbräunung für den Urlaub wichtig.
59:15
Finde ich sehr schön. Auch im Winter knackig braun zu sein, galt in bestimmten Gesellschaftsschichten ja als Zeichen von Erfolg und Reichtum. Also danke, Barbara. Jetzt kann ich es mir viel besser vorstellen. Mit dem Sockel und auch den Typen kann ich mir jetzt noch ein bisschen besser vorstellen.
59:27
Einfach gut gebräunt, oder? Ja. Und Sie wahrscheinlich auch. Ja.
59:33
Und dann kam dein bleicher Kommissar vorbei.
59:36
Super.
59:37
Sehr schön, vielen Dank. Gut, dann hören wir uns nächste Woche wieder. Bis zum nächsten Mord.
59:42
Macht's gut.
59:59
I write it out in a verse, McDonough and McBride and Connolly and Pearce, now and in time to be, wherever green is worn, are changed, changed utterly. A terrible beauty is born.
60:13
Der Dichter William Butler Yeats preist die Protagonisten der blutig erstickten irischen Osterrebellion gegen die Briten von 1916 und stellt fest, nun sei alles, restlos alles, anders. Eine schreckliche Schönheit sei geboren.
60:39
Die Aktualität dieser Verse ist in den Zeiten des Coronavirus unverkennbar. Doch hier soll es um einen anderen Zyklus gehen. Irland bereitet sich auf seinen 100. Geburtstag vor und blickt auf eine Generation des Wandels zurück. Erneut ist alles anders.
60:57
Den ersten frischen Pfirsich habe er 1967 in Irland gesehen. Sie wuchsen nicht hier, deshalb gab es sie nicht.
61:13
So erinnert sich John Fitzgerald, Makroökonom und Sozialwissenschaftler am Trinity College in Dublin. Irland war die Insel hinter der Insel abgeschottet, arm, selbstgenügsam.
61:29
Irland riegelte sich ab. Nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges, als der Rest Europas sich zur Zusammenarbeit entschloss, verpennten wir das, stellt der Sohn des ehemaligen Premierministers Gareth Fitzgerald fest.
61:44
In den 60er Jahren wurde der Kurs neu bestimmt. Durch Steueranreize und Subventionen wurden internationale Firmen ins Land gelockt, das damals noch überwiegend landwirtschaftlich bestimmt war. Die endemische Emigration liess für eine Weile nach. Doch in den 80ern kehrte Trübsal zurück.
62:13
Niedergeschlagen und hoffnungslos nennt Fitzgerald das Irland vor 35 Jahren. Die Auswanderung nahm sprunghaft zu. Die Arbeitslosigkeit erreichte nahezu 20 Prozent, die Hypothekarzinssätze lagen nicht weit darunter. Der letzte «Löscht das Licht» hieß es damals mit Galgenhumor. Sportmannschaften aus dem irischen Westen spielten fortab im amerikanischen Osten, wo sie sich wieder antrafen.
62:46
Mary Buckley, Direktorin der einflussreichen Industrieförderungsbehörde IDA, bestätigt, die jungen, englisch sprechenden Arbeitskräfte wurden damals für die Auswanderung ausgebildet.
63:02
Industrie und Verarbeitung in Irland seien damals noch sehr rudimentär gewesen. In der Tat. Videokassetten und Leibchen wurden hergestellt, zahlreiche Rinder wurden lebend verschifft.
63:14
Ende der 80er Jahre begann der Paradigmenwechsel, nachdem die Regierung ihren Haushalt ins Lot gebracht hatte. Symbol der Wende war die Ankunft des dominanten amerikanischen Chip-Herstellers Intel, der ab 1990 eine riesige Fabrik in Irland aufbaute.
63:31
Im Fahrwasser Intels kamen intelligentere Firmen. Software, Elektronik, Pharma. Wachstum und Wertschöpfung nahmen sprunghaft zu. Der keltische Tiger war geboren. Ein Wirtschaftswunder.
63:45
Die gesamte
63:53
Beschäftigung liege heute zweieinhalb Mal höher als im Jahre 1972, als John Fitzgerald seine erste Stelle im irischen Finanzdepartement antrat.
64:14
Die Hälfte der heutigen Bevölkerung sei jünger als 34. Die Arbeitslosenquote bereite mit 4,5% keine Sorgen. Der multinationale, vor allem US-amerikanische Sektor, ist entscheidend.
64:37
1.500 ausländische Firmen stellten rund ein Zehntel aller Arbeitsplätze direkt zur Verfügung. Indirekt kämen fast noch einmal so viele Arbeitsplätze bei irischen Firmen hinzu, bilanziert Mary Buckley stolz. Vor 30 Jahren tobte eine besorgte Diskussion unter Akademikern, ob Irland aufgrund seiner peripheren Lage dazu verdammt sei, bloß billige Zulieferantin zu bleiben, während die Wertschöpfung im geografischen Kern Europas stattfinde.
65:08
Stattdessen ist Irland zum Scharnier zwischen den USA und der EU geworden.
65:14
Zusammen mit der Wirtschaft veränderte sich auch die irische Gesellschaft.
65:25
Zum Verständnis dieser neuen Mentalität müsse man die heimgekehrten Emigranten berücksichtigen, regt Fitzgerald an.
65:33
Ende der 80er Jahre wanderte ein Viertel bis ein Drittel der jungen Altersgruppe aus.
65:39
Die Besten gingen. Doch sie erwiesen sich als Brieftauben und kehrten zurück.
65:46
Fitzgerald nennt die im Ausland gesammelten Erfahrungen und Qualifikationen aber auch einen veränderten Geschmack. Aus der Bierkultur wurde eine Kaffeehauskultur. Die reaktionären Restbestände des irischen Verhaltenskodex stiessen bei diesen Heimkehrern auf wenig Verständnis. Und … Die Rückkehr von Frauen oder ihr erstmaliger Eintritt in den Arbeitsprozess sei ein zentraler Faktor für den Wirtschaftsaufschwung gewesen.
66:25
Viele von ihnen seien überdies besser qualifiziert gewesen als die Männer, fügt Fitzgerald hinzu.
66:31
Um kurz in den Ökonomen-Jargon zu verfallen, zwei der drei klassischen Produktionsfaktoren erwiesen sich in Irland als ungewöhnlich elastisch. Das Kapital, weil es von aussen kam, und die Arbeit, weil die Auswanderer heimkehrten und Frauen mit anpackten. Seit diesem Quantensprung und nach der Überwindung der tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise hat Irland den Übergang zur digitalen Wirtschaft vollzogen. Mary Buckley von der Industrieförderung
67:01
Die zehn weltweit wichtigsten Internetfirmen seien alle in Irland angesiedelt.
67:15
Google, Facebook, LinkedIn und andere.
67:18
Die Osterweiterung der Europäischen Union und der Bedarf der digitalen Firmen nach vielsprachigen Arbeitskräften brachten die wohl dramatischste Veränderung, zumindest auf der Ebene der Demografie. Irland wurde zum Einwanderungsland. Irland wurde bunt. Noch einmal Mary Buckley.
67:43
Irland sei multikulturell geworden. 16 % der Bevölkerung seien im Ausland geboren. Seither gibt es essbare Würste in irischen Läden, Direktflüge in die polnische Provinz und gebrochenes Englisch im Alltag.
68:03
Ruta lebt seit drei Jahren in Irland und arbeitet im grafischen Gewerbe.
68:16
Sie habe keine festen Vorstellungen über Irland gehabt, bevor sie kam. Sie wusste bloß, dass das Wetter scheusslich sei. Das habe sich nicht verändert.
68:26
Im grossen Foyer eines Dubliner Hochhauses hat sich der Vorstand der lettischen Gesellschaft versammelt. Ein halbes Dutzend Leute sind gekommen, um über ihre Erfahrungen in Irland zu berichten.
68:54
Ingrid, eine Köchin, ist seit 15 Jahren hier. Weder sie noch ihre Tochter seien je schlecht oder grob von den ihren behandelt worden. Aber sie habe sich etwas einsam gefühlt und daher die Gesellschaft anderer Letten gesucht.
69:08
Juris wuchs in England als Sohn lettischer Eltern auf und heiratete dort eine Irin.
69:15
Vor rund zwölf Jahren kamen sie nach Irland.
69:27
Die Irin seien so offen und warmherzig, aber man vermisse die eigene Kultur, ob die nun lettisch oder polnisch sei. Und dann vergleicht er seine beiden Gastländer.
69:37
I think the English are not very friendly generally, unless you're born in a village or town and you know everybody. People are quite cold in England.
69:56
Die Engländer seien nicht sehr freundlich, wenn man nicht einheimisch sei und alle anderen kenne. Die Engländer seien eher kühl. Die Iren dagegen seien so freundlich und hilfsbereit. Leana ist seit sechs Jahren in Irland und arbeitet in der Altenpflege.
70:13
I have actually two Irish grannies. They said, yeah, they love me. I really, I feel the love in my job. I enjoy what I'm doing.
70:24
Sie habe zwei irische Grossmütter, scherzt sie. Sie werde von ihren Schützlingen geliebt und tue ihre Arbeit gerne. Ingyna, die Vorsitzende der Lettischen Gesellschaft und Leiterin von zwei Chören, lebt seit 14 Jahren hier.
70:50
Sie sei stolz auf die Letten in Irland. Sie versuchten ständig neue Dinge und strebten nach Höherem, weil sie ja bereits einen Bruch erlebten, als sie Lettland verliessen. Ruta sieht Gemeinsamkeiten.
71:12
Irland habe schreckliche Zeiten erlebt mit Auswanderung und Diskriminierung.
71:29
während die Letten von Russland unterdrückt wurden. Das führe zu Ähnlichkeiten und zum gegenseitigen Verständnis. Juris wird allgemein.
71:38
The people are very similar, the Latvians and the Irish. They have similar personalities. They drink a lot. All of them. They love beer. Latvians love beer.
71:51
And they love talking. The Irish do talk.
71:55
Die Letten und die Irem seien ein ähnlicher Menschenschlag. Sie tränken viel und redeten viel. John Fitzgerald bestätigt diese Eindrücke sozialwissenschaftlich.
72:08
The immigration into Ireland is very different from the immigration into much of the rest of Europe. On average, they were better educated than the Irish population.
72:18
Die Einwanderer nach Irland unterschieden sich vom Einwanderungsprofil des restlichen Europas, denn sie seien besser ausgebildet als die Iren. Sie hätten rasch Arbeit gefunden und Lücken in der Wirtschaft gestopft.
72:39
Die Integration der Einwanderer sei höher, als er ursprünglich erwartet habe. Fitzgerald verweist auf einen hohen Anteil von Heiraten zwischen Einheimischen und Einwanderern. So übernehmen die Einwanderer ein bestehendes soziales Netz und würden Teil der Gesellschaft.
73:06
Musik Musik Musik Musik Musik
73:24
Der Sommer in Dublin, den Liam Riley besinkt, hat sich nicht verändert, wohl aber Dublin. Denn Hand in Hand mit diesen umwälzenden Verschiebungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung wurde die sichtbare Umwelt umgestülpt, namentlich in der Hauptstadt. Es fand ein regelrechter Kulissenwechsel statt.
73:44
In den 80er Jahren sahen die Keys entlang den Ufern des Flusses Liffey wie eine Trümmerlandschaft aus. Das Antlitz der Hauptstadt hatte ausgeschlagene Zähne. Hier gedieh scheinbar nur der Sommerflieder im Mörtel ausgewaschener Backsteinmauer.
74:04
Heutzutage sehen diese modernen Fassadenfluchten aus wie ein Katalog zeitgenössischer Architektur. Gekippte Kegel und kunstvoll verhüllte Konturen erheben sich endlos neben den herkömmlichen Würfeln und Schachteln der modernen Bürowelt. Vereinzelt unterbrochen durch die wiederhergerichteten viktorianischen Lagerhäuser und die stolzen steinernen Tempel des 18. Jahrhunderts. Das Zollhaus im Osten, die vier Gerichte im Westen.
74:43
Joe Linders weist in eine etwa 15 Meter tiefe Baugrube, die dereinst die beiden Untergeschosse eines neunstöckigen Bürogebäudes enthalten wird.
75:02
Sie hätten eben die Betonfundamente gegossen. Wir sind in Smithfield, am Westrand der Tablener Innenstadt, einen Steinwurf bloss vom Fluss Liffey entfernt. Smithfield war einst das wirtschaftliche Herz der Hauptstadt.
75:21
Smithfield war der Heu-, Stroh- und Pferdemarkt Dublins. Hier eröffnete Joe Linders Vater 1938 eine Garage, unmittelbar bevor der Krieg die Benzinzufuhr abschnitt.
75:41
Die Gegend seiner Kindheit war dominiert von der traditionsreichen Whisky-Brennerei Jamisons.
75:47
Es waren andere Zeiten.
75:55
Da habe es tatsächlich noch Schweinekoben auf dem Marktplatz gegeben, erinnert er sich.
76:01
Der Niedergang beschleunigte sich in den 70er Jahren. Die Schnapsbrennerei schloss ihre Tore, die Werkstätten und Geschäfte gingen ein.
76:21
Die Gegend brauchte Fantasie, Erneuerung. Ja, sie musste neu erfunden werden. Die Unternehmerfamilie Linders eröffnete 1979 ihren ersten Büroblock in Smithfield.
76:36
Joe Linders Berufsgattung wird in Irland als Developers bezeichnet, ein optimistisch gefärbtes Wort für Bauunternehmer und Spekulanten. Sie gingen in der Immobilien- und Bankenkrise ab 2008 fast ausnahmslos in Konkurs. Ihr Ruf war ruiniert, ihre Liegenschaften wurden vom Staat übernommen. Nicht so die Aktiven der Familie Linders, der ursprüngliche Block und die Westseite des Platzes. Sie zogen sich rechtzeitig zurück, vermieden die Fieberphase und machten zwölf Jahre lang Pause.
77:19
Natürlich sei nicht alles glatt gelaufen. Es habe Diskussionen mit den Banken gegeben. Aber die Familienfirma überlebte. Jetzt bauen sie wieder zwei Blöcke mit insgesamt 37'000 Quadratmetern Bürofläche. Smithfield ist in der Postmoderne angekommen. Es war kein Zufall, dass Irland nach 2008 an einem aufgeblähten Immobilienmarkt zerschellte. Teilt Joe Linders, der Developer, denn die Ansicht, die Iren hätten eine Hundeliebe für Backsteine, Ziegel und Mörtel.
78:02
Es wurde von verschiedenen Leuten geplant, Cromwell zu uns und zu den Marken und zu den Westen geplant.
78:10
Linders stimmt zu und verweist auf eine Geschichte der Enteignung. Die Normannen vertrieben die Iren von der Ostküste. Kolonisatoren kamen und gingen. Der Diktator Cromwell hinterliess seine Blutspur und siedelte die Leute westwärts um.
78:26
We're slow to move on as Europe has done to a more transient way of living. We like our patch, big or small, and it's part of our mentality and I feel it'll be there for quite a while yet.
78:40
Musik Musik Musik Musik Musik Umwelt und Umkreis durchliefen eine rasche Metamorphose. Gleichzeitig bröckelte das einst unverbrüchlich scheinende Fundament dieser Gesellschaft, die katholische Kirche.
79:16
Noch 1983 verankerten zwei Drittel der irischen Stimmbürger ein absolutes Abtreibungsverbot in der Verfassung. Mary Robinson, die später zur Präsidentin gewählt wurde, kämpfte damals dagegen. Trotz dem enttäuschenden Resultat erkannte sie die Keime des Wandels.
79:47
Es sei ermutigend, dass trotz der bitteren Kampagne und trotz der vorbehaltlosen Empfehlung der katholischen Kirche ein Drittel gegen diese Vorlage gestimmt habe. Der Optimismus war verfrüht. Drei Jahre später billigten ebenso viele Stimmbürger ein absolutes Verbot der zivilen Ehescheidung. Doch das war der Höhepunkt des klerikalen, autoritären und reaktionären Irland. Seit der Mitte der 90er Jahre ergoss sich eine Flut von Enthüllungen über Missbrauch, Ausbeutung und Unmenschlichkeit über die schockierte Gesellschaft.
80:23
Kirchliche Institutionen hatten im Auftrag des Staates hilflose Kinder gequält. Diese Opfer sind heute mehrheitlich Rentner. Sie treffen sich in einem Dubliner Begegnungszentrum. Die Theatergruppe verarbeitet Trauma.
80:49
Brutale Folterfantasien eines Heimkindes gegenüber einer Nonne. Carmel McDonnell Byrne verbrachte ihre Kindheit in einem Arbeitsheim.
81:07
Sie können diese Heime nur als Höllenlöcher bezeichnen. Dort wurde sie zur Nummer verlor, ihre Identität.
81:15
Die Enthüllungen kosteten die katholische Kirche ihre Autorität. Drei umfassende Untersuchungsberichte legten schamlose Unmenschlichkeiten bloss. 2011 griff Premierminister Ender Kenny, ein praktizierender Katholik, den Vatikan und die Kirche frontal an.
81:33
This is not Rome. Nor is it industrial school or Magdalene Ireland.
81:41
with a swish of a soutain smothered conscience and humanity, and the swing of a thuribull ruled the Irish Catholic world.
81:50
Das sei nicht wie in Rom, das sei nicht das Irland der Arbeitshäuser und der Magdalenerinnen-Wäschereien, wo das Rauschen einer Sultane Gewissen und Menschlichkeit erstickte, wo das Rauchfass die irische Welt regierte. Das ist die Republik Irland im Jahre 2011.
82:14
Diese Republik orientierte sich nun vermehrt am eigenen Gewissen und nicht mehr an den Edikten von der Kanzel. So wurde 2015 die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert, drei Jahre später die Abtreibung erlaubt. Die Mehrheiten waren fast identisch mit jenen, die das katholische Primat eine Generation zuvor gebilligt hatten. Alles, restlos alles, ist anders. Die Aussenwelt wie auch die Innenwelt der Iren.
82:46
Musik Musik Musik Musik
82:53
bleibt die Nachbarin. Auch hier ist eine Transformation auszumachen. Die gemeinsame EU-Mitgliedschaft seit 1973 und der nordirische Friedensprozess hatten Briten und ihren routinemässig zusammengebracht. Die historisch gespannten Beziehungen wurden normalisiert, ein Prozess, der im Besuch der Queen in Irland im Jahre 2011 seinen Höhepunkt fand.
83:16
Die EU spielte eine ausschlaggebende Rolle, erklärt John Fitzgerald.
83:28
Für den öffentlichen Dienst Irlands habe die EU die Befreiung vom britisch-kolonialen Vermächtnis gebracht.
83:39
Obwohl die irische Unabhängigkeit auf dem Papier 1921 erreicht wurde, brauchte es, so der Sozialwissenschaftler Fitzgerald, die Einbindung in die EU, um diese auch tatsächlich umzusetzen. Der Brexit brachte neue Belastungen, aber auch den Nachweis der irischen Emanzipation, so Bobby McDonough, ehemaliger Spitzendiplomat Irlands.
84:11
Es gehe nicht nur darum, dass Irland in der EU bleibe und die Briten gingen.
84:16
Die beiden Gesellschaften hätten nun eine diametral entgegengesetzte Weltsicht.
84:21
Die britischen Brexit-Befürworter argumentierten mit ihrem Verständnis von Souveränität. Irland, mit seiner leidvollen Geschichte, schätze seine Souveränität, aber ...
84:39
Für die Iren sei die Souveränität kein Schatz, den man im Garten von Downing Street vergrabe, sondern ein Instrument zum Wohle des Volkes. McDonough spricht von einer psychologischen Unabhängigkeit. Der deutlichste Ausdruck dieser Emanzipation, meint er, sei nicht der EU- oder der Euro-Beitritt gewesen, sondern die gänzliche Immunität der Iren gegenüber den Argumenten der Brexiteers.
85:16
Die Begründungen für den Brexit, die Sehnsucht nach Insularität unter dem Vorwand der Globalität, das bedeutet den Iren überhaupt nichts.
85:27
Dieselbe Eigenwilligkeit äussert sich nun im Kampf gegen das Coronavirus. Irland griff früher umfassender, europäischer ein als die britische Nachbarin. Auf die Frage, wo Irland denn im Dreieck zwischen Brüssel, London und Washington stehe, kommt eine unzweideutige Antwort.
85:56
Irland sei ein multilaterales Land mit engen Bindungen an Europa. Die Zugehörigkeit zur EU sei keine beliebige Clubmitgliedschaft. Sie zeigt, wer wir sind.
86:08
In den Zeiten von Identitätspolitik geht Irland also eigene Wege. Die Metamorphose der letzten 35 Jahre war harte, zum Teil leidvolle Arbeit. Aber sie führte diese Gesellschaft erstmals zu einem neuen, stabilen Gleichgewicht. John Fitzgerald schliesst, für die Iren sei ihre Identität zur Selbstverständlichkeit geworden. Sie wüssten, wer sie seien.
86:53
Das war ein Podcast von SRF.
86:55
Produziert im Auftrag der SRG.