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SRF Audio SRF Wissen Die Themen der Woche
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In den USA breitet sich ein Parasit aus, der bei tausenden Durchfall ausgelöst hat. Was ist das für ein Erreger und wie gefährlich ist der? Das schauen wir uns als erstes an. Dann geht's in die Arktis. Wir begleiten Forscherinnen und Forscher auf einer nicht ganz alltäglichen Mission. Sie lassen sich dort nämlich im Packeis einfrieren und hoffen auf neue Erkenntnisse, zum Beispiel über das Leben der Fische dort oben.
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Das und mehr gibt es in der nächsten halben Stunde. Am Mikrofon begleitet Sie Dominik Rolli.
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In den USA breitet sich eine seltene Durchfallerkrankung aus. Über 30 Bundesstaaten sind betroffen, Medien berichten von tausenden Fällen. Auslöser ist ein Parasit namens Zyklospora und wer damit infiziert ist, leidet häufig unter heftigem Durchfall und Bauchkrämpfen. Wie gefährlich ist dieser Ausbruch? Das wollte Salvador Atosoy von Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger wissen.
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Er ist in erster Linie sehr unangenehm, weil gefährlich ist Zyklosporiasis, wie die Krankheit heisst, eigentlich nur, wenn eine infizierte Person durch den Durchfall auch stark dehydriert. Da sind besonders Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder auch ältere Personen gefährdet. Und nur in wenigen Fällen ist eine Behandlung im Spital nötig. Gestorben ist laut den aktuellen offiziellen Zahlen noch niemand, wobei Todesfälle auch sehr selten sind.
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Schauen wir uns das noch ein bisschen genauer an. Wie kommt der Parasit denn in die Lebensmittel?
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Das geschieht über menschliche Fäkalien, denn bisher gehen Fachleute davon aus, dass der Parasit Zyklospora ausschliesslich Menschen infiziert. Der genaue Übertrabungsweg bei diesem Ausbruch ist aber noch unklar. Ein Hochwasser könnte mit menschlichen Fäkalien verunreinigtes Abwasser auf landwirtschaftliche Felder spülen. Wichtig zu erwähnen ist noch, dass der Parasit Tage bis Wochen braucht, um in der Umwelt so weit zu reifen, dass er auch ansteckend ist. Das bedeutet zum einen, dass die Kontamination bereits einige Zeit zurückliegt und zum anderen, dass es unwahrscheinlich ist, dass sich Menschen gegenseitig anstecken.
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Das ist anders als beim Norovirus zum Beispiel.
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Wie kann man die Krankheit denn behandeln?
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Es gibt ein Antibiotikum, das man einnehmen kann. Oft ist das aber nicht nötig, denn in der Regel heilt die Krankheit von selbst aus. In manchen Fällen kann sie aber ohne Behandlung mehrere Wochen dauern. Und die Symptome können auch verschwinden und dann wiederkommen. Also auf jeden Fall eine lästige Angelegenheit.
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Jetzt muss man wissen, die USA sind ein grosses Land. Viele Leute, das heisst, es gibt jedes Jahr eine gewisse Anzahl von Fällen. Aber dieser Ausbruch, und darum sprechen wir auch darüber, ist jetzt deutlich grösser. Woran liegt das?
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Abschliessend lässt sich das zurzeit noch nicht sagen. Gerade weil aber so viele Personen und auch so viele Bundesstaaten betroffen sind, vermuten Fachleute in den USA, dass es mehrere Infektionsquellen geben könnte. Und die Fälle kommen nun vermehrt ans Licht, weil das Bewusstsein gerade grösser ist und auch mehr getestet wird. Denn in der Regel werden die meisten Fälle von Durchfall nicht abgeklärt. Und durch das vermehrte Testen könnten allenfalls auch hartnäckige Infektionen erkannt werden, also solche, die eben mehrere Wochen dauern oder verschwunden sind und dann gar wiederkommen.
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Und es ist davon auszugehen, dass das auch noch sicher bis Ende Sommer andauern könnte, denn solange es warm ist, reifen die Parasiten so weit heran, dass sie eben ansteckend sind und sobald es kühler wird, ist diese Reifung dann gehemmt.
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Es gibt ja noch einen kleinen politischen Twist dazu, denn Kritikerinnen und Kritiker sagen, die Gesundheitsbehörde in den USA sei heute nicht mehr gut genug gerüstet, um solche Ausbrüche zu bekämpfen, weil die Trump-Regierung eben gespart hat. Wie hat die Behörde denn versucht, den Ausbruch einzudämmen?
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Es ist daran, die Quelle bzw. die Quellen zu finden. Das ist eigentlich das Wichtigste, um einen solchen Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen.
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Es ist aber auch sehr schwierig, muss man sagen. Denn man muss erkrankte Personen befragen und so herausfinden, was sie gegessen haben, wo es Überschweidungen gibt mit anderen Erkrankten. Und weil die Symptome aber erst nach rund einer Woche oder sogar noch später auftreten können, ist es längst nicht so, dass sich alle erinnern können, was sie gegessen haben. Es ist also kein leichtes Unterfangen. Und darum schwierig zu sagen, ob der Ausbruch hätte schneller eingedämmt werden können, ohne die Kürzungen bei der US-Gesundheitsbehörde, CDC. Was man von Epidemiologinnen vor Ort nun aber hört als Kritik, ist, dass die CDC spät gewarnt hat.
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Denn die offiziellen Meldungen, die Ärzte und Gesundheitsbehörden auf dringende Situationen aufmerksam machen, ging am 14. Juli raus. Und das sind rund zwei Wochen nach dem Meschigen einen grossen landesweiten Ausbruch gemeldet hatte.
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Sagt Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger.
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Könnte es irgendwo da draussen einen Planeten geben, der der Erde ähnlich ist und auf dem es sogar Leben geben könnte? Forschende haben jetzt auf einer sogenannten Supererde zum ersten Mal eine Atmosphäre entdeckt, die nur 49 Lichtjahre von uns entfernt ist. Was bedeutet diese Entdeckung? Sophia Fessler hat darüber mit Wissenschaftsredaktor Daniel Theiss gesprochen.
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Ja klar ist, es muss noch bestätigt werden, ob da tatsächlich eine Atmosphäre ist. Die Hinweise sind aber da, wie jetzt eben in einer Studie in Science publiziert. Die Forschenden stützen sich dabei auf Helium, das sie mit Hilfe von einem Teleskop nachweisen konnten. Dieses Helium entweicht vom Planeten weg. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass da tatsächlich eine Atmosphäre ist. Die Forschungsgruppe vermutet, dass es sich um eine Wasserstoff-Helium-Atmosphäre handeln könnte und dass möglicherweise aufgrund des Heliums, das entweicht, sich immer mehr Elemente ansammeln in der unteren Atmosphäre, die für Leben wichtig sein könnten, also Sauerstoff, Kohlenstoff und Stickstoff.
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Insofern, wenn sich diese Vermutungen jetzt bestätigen durch weitere Messungen, wäre das schon sehr spannend und aufregend.
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Ganz konkret aber, wie können wir uns diesen Planeten und seine Umgebung denn vorstellen?
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Ja, LHS 1140b ist eine sogenannte Supererde. Supererde, das ist nicht als Wertung zu verstehen, im Sinne von «gut», sondern im lateinischen Wortsinn «über», «darüber», «obendrauf». Supererden sind Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems, die mindestens so gross sind wie die Erde, aber maximal so gross wie Uranus.
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Das heisst, diese Supererde, LHS L40b, die hat rund 5,5 Mal die Masse der Erde und ist etwa 1,5 Mal so gross im Durchmesser wie die Erde. Ein Jahr mit möglichen Jahreszeiten ist allerdings sehr kurz da. Es dauert lediglich 25 Tage, bis der Planet einmal um seinen Stern gekreist ist.
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Sechs Tage Winter, sechs Tage Frühling also, kann man sich vorstellen. Und auch der astronomische Sommer wäre mit sechs Tagen also sehr kurz. Besonders interessant ist aber seine Temperatur. Die liegt nämlich in einem Bereich, wo flüssiges Wasser möglich wäre. Das macht die Sache natürlich besonders aufregend mit der Überlegung, dass flüssiges Wasser allenfalls auch Leben möglich macht, so wie wir es kennen.
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Das ist das allererste Mal, dass Forschende eine Atmosphäre bei einem solchen Planeten gefunden haben. Wieso gibt es dann genau dort eine Atmosphäre und nicht anderswo?
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Das weiss man nicht sicher. Es gibt aber verschiedene Prozesse, die dazu führen können, dass ein Planet eine Atmosphäre, die er einmal gehabt hat, eben verliert. Auch bei der Erde geht man davon aus, dass sie in vielen Millionen Jahren möglicherweise ihre Atmosphäre verlieren wird, wenn nämlich die Sonne immer heisser wird.
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Ist die Strahlung der Sonne eben zu stark, kann es dazu kommen, oder auch wenn es viele Meteoriteneinschläge gibt, dann kann ein Planet mit der Zeit seine Atmosphäre verlieren. Es geht also um zahlreiche äussere Bedingungen, die stimmen müssen, damit ein Planet überhaupt eine Atmosphäre hat bzw. sie eben behalten kann. Darum scheint eine Atmosphäre auch eher die Ausnahme als die Regel zu sein bei Planeten.
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Atmosphäre und die darin entstehenden Stoffe, fliessendes Wasser, sind ja alles Komponenten, die in der Theorie eigentlich Leben ermöglichen. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass es dort Leben gibt oder geben könnte?
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Nun ja, das ist natürlich alles sehr spekulativ. Auch weiss man nicht ganz genau, was es eigentlich alles für Komponenten braucht, damit Leben möglich ist. Klar, wir kennen das Leben auf der Erde, verstehen da mittlerweile einiges von diesem Leben und was es dazu braucht. Es sind organische Moleküle, es ist vor allem Kohlenstoff. Unser Leben ist ja Kohlenstoff. basiert auf der Erde. Aber da gibt es auch Theorien, dass es auch Leben gibt, das nicht per se auf Kohlenstoff aufbaut.
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Das weiss man schlichtweg nicht. Also insofern, das ist alles sehr, sehr spekulativ.
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Was heisst denn das Ganze für die Forschung? Könnte es sein, dass sie bald zu dieser Supererde fliegen könnten?
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Das wäre natürlich spannend, aber das ist mit heutiger Technologie sicher nicht möglich. 49 Lichtjahre, das klingt nicht nach wahnsinnig viel, aber das ist eine enorme Distanz. Zum Vergleich, unsere Sonne ist etwa acht Lichtminuten von uns entfernt. Und schon nur das ist ja eine unvorstellbar grosse Distanz, also für mich zumindest. Und wenn ich das in meinen Taschenrechner eingebe, dann ist dieser Exoplanet mehr als drei Millionen Mal weiter entfernt als wir von unserer Sonne.
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Das heisst, man müsste drei Millionen Mal die Distanz Erde-Sonne zurücklegen können. Das ist schlichtweg unmöglich. Vielleicht noch zum Vergleich, die Raumsonde Voyager 1, die ist jetzt seit knapp 50 Jahren unterwegs im All, seit Mitte 70er Jahre und sie fliegt von der Erde weg. Sie ist das Raumschiff oder die Raumsonde, die so weit wie keine andere von uns geflogen ist.
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Und in Kürze wird sie einen Lichttag von uns entfernt sein. Sie ist also in 50 Jahren einen Lichttag weit geflogen. Das heisst, ich bemühe da nochmals meinen Taschenrechner, sie wäre noch fast eine Million Jahre unterwegs bei dieser Geschwindigkeit, bis sie bei diesem Exoplaneten ankommen würde.
10:55
Informationen von Wissenschaftsredaktor Daniel Theiss.
11:04
Vor einigen Tagen hat in der Bretagne ein kleines Forschungsschiff eine abenteuerliche Mission angetreten. Eine Reise in die Arktis, bei welcher sich die Crew samt Schiff im Packeis einfrieren lassen will. Und so während über einem halben Jahr durch eine der am wenigsten erforschten Gegenden der Erde treiben wird.
11:24
Mit dabei ist auch die biologische Ozeanografin Nina Schuback vom Schweizer Polarinstitut. Über die Herausforderungen und Hoffnungen der Forscherinnen und Forscher bei diesem Projekt der Beitrag von Felicitas Erzinger.
11:38
Die Vorfreude auf die anstehende Expedition ist Nina Schuback anzuhören. Nur etwas bereitet ihr ein wenig Sorgen.
11:46
Die Polarnacht, weil ich das wirklich noch nie erlebt habe. Und wie es einen dann persönlich betrifft, geht, wenn es die ganze Zeit dunkel ist.
11:55
Drei bis vier Monate lang wird sich die Sonne nicht zeigen. Dazu ist es eisig kalt. Bis minus 50, sagt man.
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Aber ich glaube, minus 20, minus 30 werden unsere Normaltemperaturen werden. Und dann, sobald die Sonne wieder da ist, wird es schon auch wieder ein bisschen wärmer.
12:14
Vor allem im Winter ist die zentrale Arktis eine unwirtliche Gegend. Deshalb gibt es von dort auch kaum Forschungsdaten. Die 26 Meter lange Tara Polar Station soll das nun ändern. Nina Schuback vergleicht das Schiff mit einem Luftkissenboot.
12:30
Also das sieht lustig aus, Tarapola Station, das ist tatsächlich ein Boot, aber es sieht mehr aus wie so ein Hovercraft. Also es ist nicht wirklich rund, sondern so oval und ist halt dafür gebaut, dass es sich wirklich im Eis einfrieren lassen kann und da nicht zerdrückt wird und auch nicht irgendwie hin und her geschoben wird, sondern schön gerade bleibt.
12:49
Ungefähr im Oktober dürfte es soweit sein, dass das Schiff auf der russischen Seite der Arktis im Eis feststeckt. Von dort driftet es dann Richtung Spitzbergen, angetrieben durch Meeressprömungen unter dem Eis und Winde über dem Eis. Und irgendwann, vermutlich im Juli oder August 2027, wird das Schiff wieder aus dem Eis freigelassen.
13:13
Während der ganzen Reise nimmt die Crew Proben im Akkord. Es sind zwölf Personen, davon sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In das Projekt involviert seien aber über 100 Forschende, sagt Nina Schuback, die alle Daten sammeln wollen.
13:29
Wir beproben sehr stark die Atmosphäre, was ist in der Atmosphäre, auch speziell zur Biologie, was für Mikroben sind in der Atmosphäre, aber auch die Physik und einfach die Chemie von der Atmosphäre und wie sich Wolken bilden.
13:43
Neben der Luft nimmt die Crew auch das Eis genauer unter die Lupe und das Wasser.
13:48
Das Boot hat so ein kleines Loch in der Mitte, das ist auch lustig. Da kommen wir immer ans Wasser ran, was unter dem Boot ist. Und da werden wir sehr viele Proben nehmen, um zu sehen, was lebt im Wasser und was macht das Leben im Wasser, gerade auch während der Polarnacht.
14:02
Es geht um Mikroben, also kleinste Lebewesen am Anfang der Nahrungskette. Aber auch um Fische. Welche kommen überhaupt vor und pflanzen sie sich dort oben fort? Das weiss bisher niemand. Gerade im Hinblick auf mögliche Fischerei in Zukunft ist das aber wichtig zu verstehen. Denn die Arktis schmilzt. Sie erwärmt sich viermal schneller als der Rest der Welt, im Winter sogar fünfmal schneller, sagt die Atmosphärenforscherin Julia Schmale von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne.
14:36
Sie gehört zu den über 100 an der Expedition involvierten Forschenden.
14:41
Es ist so, dass wir bis 2050 fast davon ausgehen können, dass wir im September kein Meereis mehr haben. Das heisst eine eisfreie Arktis im Sommer. Und das ist natürlich eine komplette Revolution für das arktische Ökosystem. Aber es ist auch stark klimarelevant, weil die Präsenz oder die Absenz des Meereises starke Auswirkungen auf Wettersysteme in den mittleren Breiten hat. Und? Das ist so ein enormer Wandel und es ist im Prinzip Pflicht oder Verantwortung aus unserer Perspektive, dass wir verstehen, was dort passiert.
15:16
Darum soll das Forschungsschiff in den nächsten 20 Jahren zehnmal in der zentralen Arktis überwintern und so den Wandel live mitverfolgen. Der Startschuss zur ersten Mission ist gefallen.
15:30
Felicitas Erzinger hat es berichtet.
15:37
Seit rund zwei Monaten breitet sich das Ebola-Virus im Osten des zentralafrikanischen Kongo Kinshasa aus. Seither wurden mehr als 2300 Krankheitsfälle nachgewiesen. Gemäss Behördenangaben sind mindestens 930 Todesfälle registriert worden.
15:56
Anders die Lage im östlichen Nachbarland Uganda. Dort wurde soeben der letzte Ebola-Patient aus dem Spital entlassen, wie das Gesundheitsministerium bekannt gab. Woran liegt es, dass die Ausbreitung von Ebola in Kongo-Kinshasa nicht eingedämmt werden kann? Das hat Ivan Lieberherr, Afrika-Korrespondentin Sarah Flug, gefragt.
16:18
Die Weltgesundheitsorganisation sagte kürzlich, die grösste Herausforderung ist im Moment nicht mehr, Ebola zu diagnostizieren, sondern Infizierte und ihre Kontaktpersonen rechtzeitig zu finden, bevor sie andere anstecken.
16:35
Rund 90% aller Fälle treten derzeit in der Provinz Ituri auf. Und genau diese Provinz ist für die Bekämpfung einfach besonders tückisch. Ituri grenzt an Uganda und den Südsudan und ist ein wichtiges Goldabbaugebiet. Entsprechend sind die Menschen ständig unterwegs zwischen Dörfern, Märkten, Minen, teils unkontrolliert über die Grenzen hinweg. Das heisst, während die Gesundheitshelferinnen und Helfer noch eine Kontaktperson suchen, ist das Virus oft schon zwei Dörfer weiter.
17:07
Dazu kommt die Sicherheitslage. Ituri gehört zu den schwierigsten Orten Afrikas, um einen Ebola-Ausbruch eindämmen zu wollen. Da sind mehrere bewaffnete Gruppen aktiv. Erst vor wenigen Tagen mussten Menschen nach einem Angriff in der Nähe eines Gesundheitszentrums fliehen. Und für die Einsatzteams heisst das auch, manche Dörfer sind zeitweise schlicht unerreichbar und das gibt dem Virus weiteren Vorsprung.
17:33
Wie unterscheidet sich die Situation dort von jener in Uganda? In Uganda scheint die Ebola-Ausbreitung unter Kontrolle zu sein.
17:42
Uganda kann einen Ebola-Ausbruch einfach viel konsequenter kontrollieren. Der Staat funktioniert bis in die letzten Dörfer hinein. Die Behörden wissen oft genau, wer wo lebt, können Kontaktpersonen rasch finden, Quarantänen durchsetzen, auch weil das Land autoritär geführt wird. Im Osten von Kongo-Kinshasa ist das einfach anders. Der Staat ist dort seit Jahren kaum noch präsent. Dazu kommt ein deutlich schwächeres Gesundheitssystem. Viele Einrichtungen sind seit Jahren chronisch unterfinanziert.
18:12
Kann das Gesundheitssystem in Kongo-Kinshasa die Situation überhaupt bewältigen?
18:19
Es stösst an Grenzen. Ich habe mit einer Krankenpflegerin aus Ituri Kontakt. Sie hat geschrieben, sie habe seit zwei Monaten praktisch ohne Unterbruch gearbeitet. Zwei ihrer Kollegen seien in dieser Zeit an Ebola gestorben.
18:35
Gleichzeitig habe sie ihren staatlichen Lohn von gerade einmal 70 Dollar seit Wochen nicht erhalten. Sie hat aber auch gesagt, das sei nichts Neues. Der Staat bezahle Gesundheitspersonal oft gar nicht oder erst mit grosser Verspätung. Für den Ebola-Einsatz hätte man ihr aber 60 Dollar zusätzlich versprochen, aber auch dieses Geld sei bis heute nie angekommen gewesen. Es zeigt etwas das Grundproblem. Also Ebola trifft im Ostkongo auf ein Gesundheitssystem, das schon vor dem Ausbruch am Anschlag war.
19:06
Das Personal kämpft nicht nur mit der Krankheit, sondern eben wirklich darum, überhaupt bezahlt zu werden. Und deshalb hat das Personal in verschiedenen Orten in den letzten Tagen nun auch gestreikt.
19:17
Manche Menschen glauben, Ebola sei erfunden worden vom Staat, um mehr Geld aus dem Ausland zu erhalten. Und sie wehren sich auch gegen Schutzmassnahmen. Helferinnen und Helfer wurden täglich angegriffen. Ist das nach wie vor der Fall?
19:32
Ja, ach, das ist nach wie vor ein riesiges Problem. Dieselbe Krankenpflegerin hat mir erzählt, selbst ihre eigenen Eltern glauben nicht, dass Ebola überhaupt existiere. Sie muss sich immer wieder von Freundinnen anhören, das Virus sei absichtlich eingeschleppt worden, um Kongolesinnen und Kongolesen zu töten. Und es ist klar, wer den Behörden misstraut, meldet Symptome später, der verweigert Quarantäne, versteckt Kranke und das gibt dem Virus wieder einen Vorsprung.
20:01
Für den Erreger gibt es weder einen speziellen Impfstoff noch eine spezielle Therapie. In Oxford wird an einer Impfung geforscht. Wie ist hier der Stand der Dinge? Wann könnte dieser in Afrika zum Einsatz kommen?
20:15
Die Forschung macht Hoffnung, aber sie läuft gegen die Uhr. Der Impfstoff wird jetzt erst an gesunden Freiwilligen auf Sicherheit und Verträglichkeit getestet, bis er dort getestet werden kann, wo Menschen tatsächlich am Bundibucu erkranken. dürften noch Monate vergehen. Aber das Virus wartet halt nicht auf die Wissenschaft. Also im Moment ist die grosse Sorge, dass es sich in den Südsudan ausbreitet, ein Land mit einem noch fragileren Gesundheitssystem und einer ebenfalls schlechten Sicherheitslage.
20:46
Und dort wäre Ebola noch einmal deutlich schwieriger einzudämmen.
20:50
Das sagt Afrika-Korrespondentin Sarah Fluck. Das waren einige Wissenschaftsthemen von dieser Woche. Mein Name, Dominik Rolli.
21:04
Das war ein Podcast von SRF Produziert im Auftrag der SRG